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Die Ursprünge der Band Apocalypse, die zuvor in Deutschland unter dem Namen Die Anderen bekannt geworden war, gehen auf einen Talentwettbewerb, einen Beat-Band-Ball zurück, der 1966 in der Ostseehalle in Kiel stattfand. Dort traf Jürgen Drews (Solo Gitarre, Gesang) auf die siegreiche Band Chimes of Freedom und deren Mitglieder Bernd Scheffler (Schlagzeug, Gesang), Enrico Lombardi (Bass, Gesang) und Gerd Müller (Gitarre, Gesang).
In seinem äußerst empfehlenswerten Buch "STARPALAST und Skinny
Minny" über die Live-Beat-Szene der 60/70er Jahre rund um die Kieler Förde beschreibt der Autor Klaus Härtel den Werdegang dieser auch international anerkannten Band aus dem hohen Norden Deutschlands:
Jürgen Drews wurde am 02.04.1948 in Schleswig geboren. Mit 14 Jahren schloss er sich als Banjospieler der Jazz-Band Snirpels an und spielte später, als der Beat aufkam, mit den Monkeys Coverversionen internationaler Hits. Nach dem erfolgreichen Beat-Band-Ball bot sich Drews an, in die Band einzusteigen und die Solo-Gitarre zu übernehmen. Eine Zeit lang spielten sie dann unter dem Namen Chimes of Freedom bis ihr Manager auf die Idee kam, nicht nur den Sound sondern auch den Namen zu wechseln. Als deutsche Band wollte man sich einen deutschen Namen geben, was zur damaligen Zeit für eine Beat-Gruppe ungewöhnlich war. Die Band hieß nun: "Die Anderen". Durch Vermittlung ihres Managers kam auch ein Kontakt zum Produzenten der Firma
Ariola, Giorgio Moroder, zustande, der im folgenden 2 Alben und mehrere Singles der Gruppe produzierte. Die Band zeichnete sich durch 4 ausgezeichnete Stimmen zu hervorragendem Satzgesang sowie Spielfreude, Originalität und vor allem aber dem absoluten Willen zum Profitum aus. Doch der Weg war noch lang und die Grundproblematik lag in den zu unterschiedlichen Ansichten über Sinn und Zweck ihrer Musik. Doch sie erhielten ihre Chancen:
In der ZDF-Sendung "Show Chance 67" waren sie siegreich in der Sparte "Gesangsgruppen mit Instrumentalbegleitung". Dadurch aufgewertet akzeptierte ihre Plattenfirma Ariola alle noch so ausgefallenen Vorstellungen der Newcomer und beschloss, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Deutschlands beste Produzenten und Arrangeure wurden ihr zur Seite gestellt, die besten Studiomusiker und das beste Tonstudio genehmigt - nämlich das Pye Record Studio in London.
Dort begannen im Juli 1968 die ersten Aufnahmen zur Einspielung von 4 Singles, darunter 3 Singles mit Eigenkompositionen von Gerd Müller und Enrico
Lombardi.
Mit dem Stolz der im "Pop London Gesalbten", so erinnert sich Drews heute, kehrten die vier Heroen nach Kiel zurück und merkten bald, dass es schwer sein würde, Karriere zu machen, wenn man so war wie sie - eben anders. Sie wurde von ideenreichen, aber mittellosen Jungfilmern vereinnahmt; sie sangen in einem vom ZDF produzierten TV-Film "Zwischen Beat und Bach"; in einer weiteren ZDF-Sendung einen Chor aus der Wagner-Oper "Meistersinger". Ein wirklicher Meilenstein war ihre LP
"Kannibal Komix", die 1968 auf Ariola erschien. Diese LP landete bei dem US-Filmemacher George
Moorse, der in München lebte. Mit dem Album als Soundtrack drehte dieser einen Gespensterfilm mit dem Titel "Das Haus in Weiß". Der Film geriet ähnlich chaotisch wie
"Magical Mystery Tour" der Beatles und war damit natürlich ein Spiegelbild seiner Zeit.
Der eigentliche Kick in ihrer Karriere kam aus dem Hamburger Star-Club. Eine Gruppe amerikanischer Manager kam nämlich extra nach Hamburg gereist, um sich eine deutsche Gruppe zu angeln. Zur Auswahl standen die Hamburger Band
Wonderland, in der neben Ex-Rattle Achim Reichel auch ein bis dato unbekannter Musiker und Ex-Sergeant der US-Army namens Les Humphries an der Orgel wirkte und "Die Anderen". Die Jungs bekamen ihren ersten US-Plattenvertrag. Die Firma Colossus Records brachte das erste Album der Band unter dem Namen
"Apocalypse" auf den amerikanischen Markt (LHC 23). Auch das vorliegende zweite Album, 1969 erschienen, wurde auf dem amerikanischen Markt veröffentlicht. Die US-Karriere der Band war beendet, bevor sie richtig beginnen konnte. Colossus Records machte Pleite. Auch in Deutschland und in Europa lief es nicht so wie geplant. Zwar wurden die zwei Alben und 5 Singles international veröffentlicht, die Musik war zweifellos künstlerisch wertvoll und hervorragend produziert, nur kaufen wollten sie nur wenige.
Am 28.12.1969 löste sich die Band nach einem letzten Auftritt in ihrer Heimatstadt Kiel auf. Jürgen Drews ging im Anschluss nach Rom und wurde dort für den Film entdeckt. Außerdem nahm er in dieser Zeit seine erste Solo-Single auf bevor er bei den Les Humphries Singers einstieg und mit diesen fünf Jahre lang erfolgreich war. Im Anschluss daran startete er seine Solokarriere, die ihm bis heute im deutschsprachigen Raum starke Medienpräsenz beschert.
Enrico Lombardi wurde am 25.06.1945 in Piacenza bei Mailand geboren. Der Vater war Musikprofessor, die Mutter Sängerin und Tänzerin. Die Musikalität lag sozusagen mit in der Wiege. Seine Mutter erhielt Engagements in Deutschland und so verschlug es Enrico nach Kiel. Dort gewann er 1966 einen Sängerwettbewerb gegen 399 andere Teilnehmer. Er spielte bei mehreren lokalen Bands bis er Bernd Scheffler kennen lernte und sich dessen Band Chimes of Freedom anschloss, aus der "Die Anderen /
Apocalypse" hervorgingen. Heute arbeitet Enrico als Komponist und Produzent in seinem eigenen Studio in Garstedt im Norden Deutschlands. 11 Singles und 3 LPs aus seiner Feder und viele ungezählte Auftritte in Bands und als Solist sind Zeugnisse seiner Arbeit.
Gerd Müller wurde am 04.08.1947 in Kiel geboren. Er spielte in mehreren lokalen Bands bis er Enrico kennen lernte und sich später ebenfalls Chimes of Freedom anschloss. Gerd Müller hat als Komponist erheblichen Anteil an der musikalischen Ausgestaltung der Band. Nach dem Ende der Band versuchte er sich noch als Solokünstler und brachte deutsche Versionen internationaler Hits auf den Markt u. a. von T-Rex "Hot Love", Mungo Jerry's "In The Summer Time" und ABBA's "Waterloo". Heute lebt Gerd Müller als freier Produzent in Nashville/USA.
Bernd Scheffler wurde am 06.05.1948 in Kiel geboren. Zur musikalischen Offenbarung gerieten die Platten von Bob Dylan, Donovan und den
Byrds. Seine erste Band hieß Dylan's Folk. EMI-Elektrola lud die Band zu Probeaufnahmen nach Berlin ein; aber nur Bernd Scheffler hatte den Mut tatsächlich Probeaufnahmen zu machen. Resultat war eine Single, die musikalisch dem deutschen Schlager zuzuordnen ist und über die sich Bernd Scheffler noch heute ärgert. Nach Dylan's Folk gründete Scheffler mit Enrico und Gerd Chimes of
Freedom. Mit dieser Band begann für ihn die kreativste und schönste Zeit seiner musikalischen Karriere. Hier war der Wille zur Perfektion mit Idealismus, Freundschaft und Freude an der Musik gepaart, eine Kombination, die ihm später bei den Anderen immer mehr abhanden zu kommen schien. Enttäuscht und frustriert war er der Erste, der sich von den Anderen lossagte. Seit dieser Zeit hat er sich nie wieder ans Schlagzeug gesetzt, nie wieder Musik gemacht. Mit der Musik der 60er verbindet ihn nichts mehr.
Manfred Steinheuer, März 2003
Dank
an: Enrico Lombardi, Jürgen Drews, Bernd Scheffler, Gerd Müller, Klaus
Härtel, Helge Voß, Ernst Kohzer, Trevor Wilson, Annette Duffy, Jörg Scheuermann.
Die Originalbänder der Aufnahmen konnten in den Archiven nicht aufgefunden werden. Als Quelle der CD standen Vinylschallplatten in unterschiedlicher Qualität zur Verfügung. Trotz intensiver Bearbeitung durch unseren Soundwizard konnten mit Rücksicht auf die Beibehaltung des Charakters der Musik nicht alle Nebengeräusche beseitigt werden. Für die mühevolle Kleinarbeit mit einem - wie wir meinen - hochklassigen Ergebnis danken wir Jörg Scheuermann nochmals ausdrücklich!
Life Is Your Profession
Let It Die
Patricia
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Pictures Of My Woman
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