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Die dänische Musikszene ist vielerorts unterbewertet. Zu Unrecht!
Wie nicht anders zu erwarten, hatten Rock ’n’ Roll, Rhythm and
Blues und die Musik der Beatles auch vor dem kleinen Dänemark nicht
Halt gemacht und die Jugend begeistert. Außerdem gab es bereits
eine bestehende kleine – aber feine – Jazz und Folk-Szene. Ende
der 60er Jahre entwickelten sich aus diesen verschiedenen Musikströmungen
Progressive- und Psychedelicrockbands, deren Eigenständigkeit un-überhörbar
ist. Dänische Bands hatten dabei auch den Mut in ihrer
Landessprache zu singen, wobei der Gesang in englischer Sprache –wie überall in Europa– aber dominierend blieb.
Einen
Überblick über die dänische Beat- und Rockszene liefert das Buch
’Scented Gardens Of The Mind’ von Dag Erik Asbjornsen,
erschienen im englischen Borderline-Verlag, welches den
interessierten Musikfreunden zur Lektüre unbedingt empfohlen wird.
Das
weitverbreitete und häufig geäußerte Interesse an dänischer bzw.
skandinavischer Progressive- und Psychedelicrockmusik hat LONG
HAIR motiviert, eine neue Reihe mit interessanten Bands der
entsprechenden Länder aufzulegen und deren Musik verdientermaßen
wieder Gehör zu verschaffen.
BLAST
FURNACE mit ihrem gleichnamigen Album, 1971 auf Polydor/Dänemark
erschienen, bilden den Auftakt. Zusätzlich zum Album ist als
Bonustrack der 1971 als Single erschienene Titel "Lister Du
Omkring Hjorner" auf der CD enthalten.
BLAST
FURNACE waren 3 Jungs aus Kopenhagen und ein Engländer – Tom
McEwan – den es nach Kopenhagen verschlagen hatte, der vorzüglich
sang und Schlagzeug spielte. Arne Würgler (bass, cello) hatte zuvor
bei verschiedenen Jazz-Formationen und – vor allem für
Progressive-Rock-Fans interessant – bei PAN mitgespielt, die 1970
eine hervorragende LP auf Sonet veröffentlichten. Thor Backhausen (organ,
piano, flute) ein musikalisches Multitalent und der zum Zeitpunkt
der Albumveröffentlichung achtzehnjährige Niels Vangkilde (guitar)
machten BLAST FURNACE komplett. In dieser Besetzung wurde
1971 das gleichnamige Album in den Kopenhagener Rosenberg-Studios für
Polydor/ Dänemark eingespielt. Als zusätzlichen Titel für die
A-Seite der zur Veröffentlichung geplanten Single nahm die Band „Lister
Du Omkring Hjorner“ auf.
Die
Verkaufserwartungen der Musiker und der Plattenfirma erfüllten sich
trotz der hohen musikalischen Qualität der LP nicht. Dies und die
Tatsache, dass in der Kopenhagener Musikszene fast jeder jeden
kannte und mit jedem jammte, verhinderte, dass die Band lange
zusammenblieb. Bands lösten sich auf, neue Bands entstanden. Die
Musiker formierten sich in neuen Besetzungen. So wechselten Tom
McEwan und Niels Vangkilde zur Kultband Culpeper’s Orchard und
spielten auf deren dritten LP „Going for a Song“, erschienen
1972 auf Polydor/ Dänemark; ebenfalls ein sehr gelungenes und
empfehlenswertes Album. Arne Würgler arbeitete anschließend mit
Benny Holst zusammen. Thor Backhausen stieg bei der Delta Blues Band
ein und wechselte anschließend ebenfalls zu Culpeper´s Orchard.
Die
Musik von BLAST FURNACE zeichnet sich durch excellentes
Songwriting und adäquatem beherrschende Instrumente aus.
Ausgewogene Instrumentalpassagen von messerscharfen Gitarren,
wohlklingender Hammondorgel und Flöte geprägt, dazu gefühlvoller
aber auch aggressiver Gesang, sind die Zutaten, für ein auch heute
noch beeindruckendes Hörerlebnis. Anders als viele Zeitgenossen
verzichteten BLAST FURNACE auf lange Instrumentalparts oder
ausgedehnte Improvisationen. Die Songs sind klar durchstrukturiert,
abwechslungsreich und mit intelligenten kritischen Texten
ausgestattet. Sie sind ein Produkt ihrer Zeit und trotz ihrer klaren
Struktur eindeutig dem Genre „Progressive-Rock“ zuzuordnen.
Dag Erik Asbjornsen lobt die
LP als eine der besten dänischen Produktionen, als klassisches
Album in der Tradition von Beatles, Traffic und Jethro Tull.
Manfred Steinheuer, Februar 2002
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