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Am
16.07.1970 war es wieder einmal soweit. COUPLA PROG, die bereits am 26.02.1970 für den Südwestfunk 5 Titel
produziert hatten, betraten das rundfunkeigene Studio U 1 in
Baden-Baden. Sie hatten "Großes" vor, galt es doch die
selbst komponierte Pop-Oper "Edmundo
Lopez" einzuspielen.
Aufnahmetechnisch war problematisch, dass es sich dabei nicht um
einzelne zu einem „großen Ganzen" zusammengefügte
Einzeltitel handelte, sondern um ein, wenn auch in 11 Teile
gegliedertes, durchgehendes Musikstück von über 60 Minuten.
Aufgrund der technischen Ausstattung des Studios waren
Nachkorrekturen oder Overdubbing nicht möglich. Die Band entschloss
sich, ihre Pop-Oper in einen ca. 25-minütigen und einen ca. 36-minütigen
Part aufzuteilen. Den nun erstmals veröffentlichten Aufnahmen hört
man diese technische Problematik allerdings nicht an. Voller
Spielfreude und auf handwerklich hohem Niveau bieten COUPLA
PROG den Freunden von Underground- und Progressivrock ein nahezu
perfektes 1-stündiges Werk musikalischer Zeitgeschichte. Worum geht
es in dieser „Tragödie mit Musik"?
Edmundo Lopez lebt in Südamerika.
Er wird zum Militär eingezogen, flieht aber auf Wunsch seiner
Mutter, die ihn zur Gewaltlosigkeit erzogen hat, in die Berge. Eines
Tages sieht er einen Mann mit einem Maschinengewehr und versteckt
sich vor ihm. Der Mann verliert einen Stoß Flugblätter...
COUPLA PROG spielen lange genug
miteinander, um eine derartige Geschichte, die viel Realität und
Resignation enthält, nicht nur dramatisch großartig, sondern auch
mit jener Leichtigkeit zu spielen, die verhindert, dass sich das
Pathos der Erzählung zu sehr aufdrängt. Da spielen 4 Musiker
zusammen, die spontanen Kontakt untereinander haben und vom
Geschehen soviel Distanz, dass sie es mit dem amüsierten
Lächeln des Profis vermitteln können. Dabei verrät Edmundo Lopez
ein starkes menschliches Engagement.
In dem Flugblatt, dass Edmundo findet, steht: „Flugblatt an
alle Soldaten, werft eure Waffen weg, desertiert! Vorher aber tötet
alle, die wollen, dass ihr für sie die Köpfe hinhaltet!"
Mister Thompson ist einer von diesen: Früher war er
Kleintierhändler, heute ist er eine große Nummer im illegalen
Waffenhandel...
Gitarrist und Sänger Rolf Peters,
Textverfasser und musikalischer Ideengeber der Geschichte des
Edmundo Lopez, starb 1971 im Alter von 21 Jahren an zuviel Alkohol
und Schlaftabletten. Wer ihn kannte, rechnete längst damit. In
einem damaligen Zeitungsbericht wurde er mit Dylan Thomas
verglichen, wenn er denn länger gelebt hätte, um sein schöpferisches
Talent zu entwickeln.
Der Fremde mit dem Maschinengewehr kommt zurück. Er heißt Christobal G.
und hat seinen Oberst umgelegt, weil dieser ihm den Befehl gegeben
hatte, einen gefangengenommenen Partisanen zu erschießen. Edmundo
versteht seine Handlungsweise nicht und macht ihm Vorwürfe. Niemals
würde er gegen sein Gewissen einen Menschen töten...
Mitautor der Oper ist Bassist Reiner
Niketta. Als 6-jähriger spielte er bereits klassisches Klavier
bei Hausmusikabenden. Er komponiert mehr in konzertanter Richtung.
Tangerine Dream und Procol Harum sind für ihn Orientierungspunkte.
Christobal plant Edmundo mit in sein Dorf zu nehmen, wo er sich auch
verstecken könnte. Unterwegs hören sie Schüsse, und Christobal
rennt ohne seine Waffe davon. Er glaubt, seine Eltern seien in
Gefahr. Christobals Mutter wird von den Soldaten über seinen
Aufenthaltsort verhört. Christobal stellt sich freiwillig...
Wolfgang Schindhelm hat ebenfalls an der Oper
mitgeschrieben. Er spielt Orgel und elektrisches Klavier und ist
ebenfalls für den Gesang zuständig. Er komponiert die
rhythmischeren Stücke und spielt einen
eher melodischen Stil.
Die Soldaten erschießen Christobal und seine Mutter. Edmundo rettet
Christobals jüngere Schwester, indem er mit dessen Maschinengewehr
die Soldaten niederschießt.
Sein
Gewissen lässt ihm allerdings keine Ruhe. Er stellt sich freiwillig
und wird zum Tode verurteilt. Waffenschieber Thompson nutzt die
Gelegenheit und verkauft Waffen im Wert von über 20 Millionen Pesos
an die Partisanen.
Hubert Donauer ist der Drummer der Band. Er
ist mit 19 Jahren deren jüngstes Mitglied; gleichwohl verfügt er
über ein geniales Timing und ist Antreiber und ruhender Pol
zugleich.
COUPLA PROG haben sich nicht bedingungslos um eine Bandkarriere
gekümmert. Sie spielten bevorzugt auf „Veranstaltungen mit
Motivation". Mit „Edmundo
Lopez" bleiben sie unvergessen!
Weiteres zur Bandgeschichte finden Interessierte im Booklet zur CD COUPLA
PROG „Sprite" SWF-Sessions Vol. 2 auf Long Hair, LHC 2. „Sprite" setzt sich aus Aufnahmen
der SWF-Sessions vom 26.02.1970 und vom 16.04.1971 zusammen. Die
noch unveröffentlichten Titel dieser Sessions, sowie die vollständige
Aufnahmesession vom 18.02.1972 in veränderter Besetzung mit dem
18-minütigen Highlight „Death is a great gambler, but if I win,
finally I can die", werden ebenfalls auf LONG
HAIR veröffentlicht.
Manfred Steinheuer,
November 2000
Dank
an: Reiner Niketta, Wolfgang Schindhelm, Rolf Peters
(R.I.P.), Hubert Donauer, Christiane, Trevor Wilson (Translation),
Manuel (Mexiko), shapefruit AG, SWR-Media GmbH.
COUPLA PROG "Edmundo
Lopez"
PRÄLUDIUM
02:01
INTRODUCTION
05:29
ALONE IN THE MOUNTAINS
07:48
KILL' EM
04:35
PAMPHLET TO MR. M. THOMPSON
05:06
NIGHT
04:25
CHRISTOBAL G. 07:04
ON THE WAY TO A VILLAGE
06:03
KAKI GATAL 07:25
LISTEN RAIN
06:02
EXTRODUCTION 05:06
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