Et Cetera          
Legendary silver cover album 1971                    



Wolfgang Dauner, geb. 30.12.1935 in Stuttgart, gilt als einer der wenigen weltweit anerkannten deutschen Jazzmusiker. Bereits als Kind früh auf dem Klavier geschult, machte er interessanterweise seinen Abschluss an der Musikhochschule Stuttgart im Fach „Trompete“. Seine große Liebe bleibt aber das Klavier. Die Präferenz für zeitgenössischen Jazz führte 1963 zur Gründung der ersten eigenen Gruppe: Das Wolfgang Dauner Trio mit Eberhard Weber am Bass und Fred Braceful am Schlagzeug. Musikern, mit denen er noch bis weit in die 70iger Jahre zusammenarbeitete. Die Bedeutung Dauners für den modernen Jazz und Jazzrock in Deutschland kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ist vergleichbar mit der Pionierarbeit, die Miles Davis in den USA für den Jazz und Jazzrock geleistet hat. 

Aufgrund seiner Mitwirkung in verschie-denen Jazzbands während der frühen 60iger Jahre, war Dauner schon Veteran der Jazzszene, bevor er seine eigene Band gründete. Die ersten von ihm veröffentlichten Alben sind dem experimentellen modernen Jazz zuzuordnen, beeinflusst von Bill Evans, Steve Lacy, Sun Ra, etc.. Seine bis 1969 erschienenen Alben sprechen in erster Linie „reine“ Jazzfans an. 

Die „Blüte“ der psychedelischen Musik um 1968/69 schuf neue Möglichkeiten. Dauner, mit einigen der besten jungen Jazzmusiker an seiner Seite, hatte genug vom ins klischeehafte abdriftende Spiel des Jazz, was zum damaligen Zeitpunkt überwiegend stattfand und nahm sich vor, sämtliche vorhandenen Regeln zu brechen. Was Faust wenige Jahre später für die Rockmusik bedeutete, ließen Dauner und seine Musiker dem Jazz widerfahren. Erstes Ergebnis war das außergewöhnliche Album FÜR, erschienen im Sommer 1969, das nicht mehr dem Jazz zuzuordnen ist, sondern ein Experiment vorantreibt mit dem einzigen Ziel, Grenzen zu überschreiten: Die musikalische Revolution ihrer selbst Willen. 

Noch radikaler war die Veränderung, im Vergleich zu den vorherigen Produktionen, die die 
Musik – nun dem Wolfgang Dauner Quintett geschuldet – auf THE OIMELS, Anfang 1970 den Fans bescherte, (wiederveröffentlicht als CD: Long Hair LHC 59). Wolfgang Dauner und seine Mitstreiter präsentieren sich hier als Psychedelic-Jazz-Pop-Band. Neben der von den Psychedelic -Fans so geliebten verzerrten Gitarre, Sitar-Klängen und anderen Freak-Outs zogen die 5 Musiker alle Register, ihre Vorstellungen von Psychedelic-Pop zu Gehör zu bringen. Die Jahre 1969 und 1970 waren für Wolfgang Dauner und seine wechselnden Mitstreiter ein musikalischer Jungbrunnen, der im Ergebnis 8 Alben hervorbrachte, welche unter wechselnden Bandnamen (Wolfgang Dauner Quintett, Wolfgang Dauner Group oder Et Cetera) auf verschiedenen Labels veröffentlicht wurden. Für Freunde der progressiven Rockmusik allemal hörenswert sind insbesondere die Alben RISCHKAS’S SOUL (eingespielt 1969, veröffentlicht auf Brain 1972) und ET CETERA (1971 auf Global). Die Besetzung, die THE OIMELS einspielte, hatte sich für ET CETERA nur geringfügig geändert. Statt des zweiten Gitarristen (Pierre Cavalli) spielte diesmal Dauners langjähriger Weggefährte, Fred Braceful als weiterer Schlagzeuger neben Roland Wittich mit. Auch die 1972 erschienene LP KNIRSCH (u. a. mit Jon Hisemann und Larry Coryell) auf BASF/MPS und das 1973 erschienene Live-Doppelalbum, ebenfalls auf BASF/MPS unter dem Bandnamen ET CETERA, sind für die Freunde der progressiven Rockmusik absolut hörenswert. Die Leser der Zeitschrift Sounds wählten Dauner 1972 zum Musiker des Jahres. 

Eine ausführliche Diskografie, eine Übersicht über seine Film- und Fernsehmusiken sowie eine tabellarische Darstellung seines Werdegangs finden sich auf der website www.Jazzpages.com/Dauner (mehr zu Wolfgang Dauner im Booklet der CD Wolfgang Dauner Quintett „THE OIMELS“). 

Siegfried (Sigi) Schwab, geboren 05.08.1940 in Ludwigshafen am Rhein, entwickelte bereits in der Kindheit einen starken Drang zum Musizieren. Seine Instrumente waren der Kontrabass und die Gitarre. Mit 16 Jahren nahm er an der Musikhochschule in Mannheim für beide Instrumente ein Studium auf. Sein musikalisches Interesse galt sowohl der klassischen Musik als auch dem Jazz. Schon sehr früh war der brasilianische Gitarrist Laurindo Almeida sein musikalisches Vorbild. Schwab spielte zunächst in lokalen Bands, betätigte sich schon früh als Studiomusiker (u. a. für Wolfgang Laudt und Erwin Lehn) und wurde nach seinem Wechsel nach Berlin festes Mitglied der Rias-Berlin Big-Band. 1967 erschien in den USA und in Europa seine erste Soloplatte, für Schwab eine sehr interessante Erfahrung neben seiner Tätigkeit als Studiospezialist noch in einer völlig anderen Musik-Szene Erfahrungen zu sammeln. Der Zusammenarbeit bei The Oimels und ET CETERA ging ein Zusammenspiel auf dem GULDA Festival in Ossiach, Kärnten, Österreich voraus. Die damalige Band bestand aus Jean Luc Ponty, Sigi Schwab, Wolfgang Dauner, Eberhard Weber und Fred Braceful. ET CETERA war – wenn man so will – die Nachfolgeband des Wolfgang Dauner Quintetts. Aus heuti-ger Sicht empfindet Schwab The Oimels als einen ganz wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu ET CETERA, der ersten Jazz-Freerock-Band der 68iger-Nachfolge, dem damaligen modernsten und provozierensten Ensemble. 

Neben seinen eigenen Projekten oder als festes Bandmitglied verschiedenster Formationen (u. a. Embryo auf den Alben „Father, Son and Holy Ghost“,1972 und „Rocksession“, 1973) hat Sigi Schwab in unzähligen Produktionen unterschiedlichster Art (vom Schlager bis zum experimentellen Jazz) als Studiomusiker mitgewirkt. Daneben komponierte er Fernseh-, 
Film- und Bühnenmusik. Seine Filmmusik zu Vampyros Lesbos-Erbin des Dracula (1971) wurde in den späten 1990iger Jahren mit dem Untertitel Sexadalic Danceparty erfolgreich neu als CD aufgelegt und der Titel The Lion & The Cucumber wurde u. a. in Quentin Tarantinos Film Jacky Brown verwendet. Auch die Aufnahmen zu The Vampires of Dartmoor sind in Fan-Kreisen heiß begehrt. 

Aktuell ist Sigi Schwab in verschiedenen musikalischen Projekten äußerst aktiv. Der Spagat zwischen Klassikszene und moderne improvisierende Musik ist sein Lebensthema geblieben. Ebenso wie Dauner lehnt er eine Unterscheidung zwischen E- und U-Musik völlig ab: „Es gibt nur ein universelle Musiksprache, natürlich mit feinen Verästelungen und in allen denkbaren Achsen.“ Informationen über seine verschiedenen musikalischen Projekte, CD-Veröffentlichungen, Buchveröffentlichungen usw. gibt es auf seiner Homepage www.melosmusik.de  

Eberhard Weber, geboren 22.01.1940 in Stuttgart, gilt ebenfalls als herausragende Persönlichkeit der Jazz-Szene und genießt internationale Anerkennung. Er spielte u. a. mit Gary Burton, der Pat Metheny Group und Jan Garbarek. Weber kam ebenfalls schon als Kind zur Musik. Sein Vater lehrte ihn im Alter von 6 Jahren, Cello zu spielen. Als Mitglied des Schulorchesters wurde er von seinem Musiklehrer ermutigt, auf den Kontrabass umzusteigen. Zunächst darin geübt, den Kontrabass auf klassische Weise mit einem Bogen zu spielen, trainierte er aufgrund seines steigenden Interesses an der Jazz-Musik auch immer mehr die Zupftechnik. Weber spielte in mehreren Schulbands und entschied sich schließlich, das Cello-Spiel gänzlich zu Gunsten des Bass aufzugeben. 

1960 traf Weber mit Wolfgang Dauner zusammen, spielte mit ihm zahlreiche Alben ein, sodass es nur folgerichtig war, dass er bei den bahnbrechenden Projekten The Oimels und danach auch bei ET CETERA dabei war. Die Zusammenarbeit mit Dauner riss praktisch niemals völlig ab, jedoch beschritten beide seit 1973 (Erscheinungsjahr von Webers erfolgreichem Album „The Colours of Chloe“) ihre eigenen Wege und kamen nur noch gelegentlich für gemeinsame Projekte zusammen. Weber arbeitete mit dem Gitarristen Volker Kriegel und für kurze Zeit mit der New Dave Pike Set zusammen. Anknüpfend an sein Soloalbum „The Colours of Chloe“ gründete er wenig später die Band Colours mit Rainer Brüninghaus und Charlie Mariano. Nach fast 8 erfolgreichen Jahren mit Colours sah Weber keine Möglichkeiten mehr, diese durch kreativen, musikalischen Diskurs voranzutreiben. Nach eigener Aussage wollte er auf keinen Fall bereits Dagewesenes wiederholen, nur um die Band am Leben zu halten. Colours löste sich 1981 auf. Ab 1982 wurde Weber ständiges Mitglied der Band des norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek und arbeitete bis Ende der 90iger mit ihm zusammen. Seit 1985 gibt Weber außerdem Solokonzerte, bei denen er sich elektronischer Klangvervielfältiger bedient, die sein Spiel aufnehmen und es in veränderter Geschwindigkeit und Modulation wieder ausgeben. 

Weber kann auf eine umfangreichen Diskografie verweisen und war als Gastmusiker bei den verschiedensten Produktionen (u. a. Kate Bush) beteiligt. Weitere Informationen sowie eine ausführliche Diskografie gibt es auf der website mysite.verizon.net (dort in die Suchmöglichkeit Eberhard Weber eingeben). 2007 hat er die CD Stages Of A Long Journey veröffentlicht. 
Fred Braceful, geb. 02.05.1938 in Detroit, verst. 06.03.1995 in München, studierte am Konservatorium in Chicago Klavier, spielte zu dieser Zeit aber bereits in der Band seines Vaters Schlagzeug. Als Soldat der US Armee kam er Ende der 50er Jahre nach Deutschland und ließ sich nach Beendigung des Militärdienstes in Stuttgart nieder. Dort lernte er Wolfgang Dauner kennen, zu dessen Trio er seit 1963 gehörte. U. a . spielte er mit Dauner auf den Alben „Free Action“, 1967, „Für“, 1969, „Rischka`s Soul“, 1969, „Output“, 1970, „ET CETERA“, 1971, „Knirsch“, 1972 und „Et Cetera Live“, 1973. Wie damals üblich, war Fred Braceful nicht an eine Band gebunden, sondern spielte auch noch mit vielen anderen bekannten Jazzmusikern, wie z. B. Dollar Brand, Hans Koller, Albert Mangelsdorff, Manfred Schoof u.v.m..

1973 gründete Braceful mit dem Gitarristen/Bassisten Andy Goldner und dem Keyboarder Thomas Balluf die Gruppe Exmagma. Exmagma spielte drei Alben ein, stilistisch irgendwo zwischen Jazzrock und Avantgarde. 1976 war er Mitbegründer von Moira. Auf dem Album der Band hatte er allerdings nicht mitgewirkt. Anfang der 80er Jahre zog er nach München und gründete dort sein eigenes Trio, wobei er zusätzlich noch mit anderen Musikern zusammen spielte. Soweit bekannt, war seine letzte Aufnahme die Einspielung der CD „Langsames Blau“ mit dem Trio des Saxofonisten Michael Hornstein. 

Braceful war auch als Komponist tätig, u. a. komponierte er die Musik für einige Hörspiele (z. B. 1975 „Pilgerfahrt“). 

Roland Wittich, Schlagzeug, ist heute als Architekt tätig. 

1980 wurde das Album unter dem Titel „Lady Blue“ auf Brain wiederveröffentlicht. 

Die Freeman-Brüder schreiben in ihrer sehr empfehlenswerten Enzyklopädie „The Crack In The Cosmic Egg“ über Wolfgang Dauner und ET CETERA: Als ständiger Auslöser musikalischer Revolutionen heckte Wolfgang Dauner äußerst sorgfältig eine der raffiniertesten „Schwindeleien“ in der Geschichte des Krautrocks aus. Er schaffte es, seine bereits seit längerer Zeit bestehende Band unter dem Namen ET CETERA als neue Band zu vermarkten mit einem psychedelischen Cover als Blickfang der gleichzeitig veröffentlichten LP auf dem absichtlich Hinweise auf die Musiker fehlten. 

So kam es, dass das Album, obwohl auf Global-Records, ein auf die Veröffentlichung von Jazz spezialisiertes Label erschienen, dem Rockmusik-Markt mit einem entsprechend größeren Käuferkreis zugeordnet wurde und überraschend zum Verkaufsschlager avancierte. Trotz seiner radikalen Mischung aus Rock, Jazz, Weltmusik und Avantgarde zog das Album erstaunlicherweise große Aufmerksamkeit auf sich. Die Leser der Zeitschrift „Sounds“ wählten 1971 ET CETERA auf Platz 1 der Rubrik „Newcomer des Jahres“, obwohl die Band schon seit 1968 (unter verschiedenen Namen) existierte und bereits mehrere Alben eingespielt hatte. Ein Auftritt der Band im Beatclub (24.07.1971) brachte dann alles ans Licht.

Das Album ET CETERA enthält eine außergewöhnliche Mischung verschiedener musikalischer Einflüsse irgendwo zwischen instrumentalen AMON DÜÜL II, Embryo und Dauners eigenem Klassiker „Output“, arabischer und indischer Musik, für die in erster Linie Siggi Schwab mit seinem großen Instrumentarium verantwortlich zeichnet, und ungewöhnliche Avantgarde-Elemente, insbesondere von Dauners „ringmodulierten“ keyboards. All dies summiert sich zu einem „vergnüglichen“ Potpourri mit vielen Überraschungen, nicht zuletzt auch durch Fred Bracefuls ungewöhnlicher Rezitation in „Lady Blue“, die zu Vergleichen mit Malcolm Mooney‘s (Can) Sprechgesang veranlasste. 

Die Freeman-Brüder zählen ET CETERA zu ihrer "The Krautrock Top 100" – Liste.

Rudi Vogel vom German Rock e. V. und Green Brain charakterisiert das Album kurz und treffend:

Das Debütalbum lässt sich mit keinem anderen Dauner-Album vergleichen. Auch die anderen Et Cetera-Alben klingen völlig anders. Dieses hier ist spacig, verrückt, durchgeknallt, avantgardistisch, krautrockig und natürlich auch ein wenig jazzig. Die Kategorisierung „Jazzrock“ wird dieser Musik nicht mehr gerecht. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Jazzliebhaber diesem Album überhaupt nichts abgewinnen können. 

Verrückte Keyboardsounds, geniale Sitareinlagen, indische Chöre, versponnene Bassläufe, coole Bläser, Ragas, schöne folkige Passagen, voller Überraschungen. Irgendwo anzusiedeln zwischen den ganz frühen Embryo- und Tangerine Dream-Alben. Ein Meisterwerk, das in keiner ernsthaften Krautrocksammlung fehlen darf. 

 

1. Thursday Morning Sunrise 11:35
2. Lady Blue 03:02
3. Mellodrama Nr. 2 A 05:12
4. Raga 16:11
5. Milkstreets 04:08
Bonus Track 6. Behind The Stage 06:35
Bonus Track 7. Tau Ceti 07:10
Bonus Track 8. Kabul 08:51





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