Haboob     Haboob                  




Das gleichnamige Album von Haboob (arab. für Wüsten-/Sandsturm), erschienen 1971 auf dem HörZu Black Label, sollte der Startschuss für eine eigenständige Karriere des Organisten James (Jimmy) Jackson sein. Sowohl Jackson als auch die beiden Mitmusiker, Schlagzeuger George Green und Gitarrist William Powell waren amerikanische Staatsbürger, die die US Army (Jackson im Rang eines Sergeants) nach Deutschland und die Musik nach München verschlagen hatten. Jackson hatte sich bereits Meriten in seiner Zusammenarbeit mit Tangerine Dream (Electronic Meditation), Amon Düül II (Tanz der Lemminge), Doldinger`s Motherhood und Embryo (Embryo’s Rache) verdient. Amon Düül II-Produzent und Saxophonist Olaf Kübler nahm Jackson unter seine Fittiche und plante, ihn als eigenständigen Künstler bekannt zu machen. Vor seinen Gastauftritten hatte Jackson zusammen mit Lothar Meid (Bassist,Amon Düül II) im Münchner Szene Club Tabarin die übliche „Tanzschaffe“ zum Besten gegeben. Auch George Green und William Powell traten dort auf. Drei Amerikaner in München taten sich also Ende 1970 zu Haboob zusammen. Produzent Kübler buchte das Bavaria Studio in München und Peter Kramper, der auch bei einigen Amon Düül II Alben an den Reglern saß, war als Toningenieur tätig. Das Album wurde innerhalb von 5 Tagen Ende März/Anfang April 1971 aufgenommen. Die eingespielten Titel waren Ergebnis ausgeprägter Improvisationen in denen die Musiker alles gaben, sozusagen ihr Innerstes nach außen kehrten, begünstigt durch Substanzen, deren Wirkung sich oft erst nach Einnahme zeigte. 

Haboobs Musik ist ein einzigartiger Trip aus Psychedelic-Rock, Avantgarde, Hendrix-inspiriertem-Blues, Blues Rock und Psychedelic Funk-Rock. Oder wie David Wayne (new Gibraltar encyclopedia of progressive-rock) schreibt, eine Mischung aus Amon Düül II und frühen Funkedelic oder den Chambers Brothers (vielleicht sogar Sly Stone), ohne jedoch deren ausführliche Gitarren-Ausflüge.

In Fachkreisen bekannt ist das Album auch deswegen, weil Jackson neben seiner üblichen Orgel auch die sog. Chororgel (choir-organ) bediente, als einer von ganz wenigen Musikern, die zu dieser Zeit dazu befähigt waren. Er war einer der ersten Musiker, der sich überhaupt mit diesem Instrument beschäftigte, welches von einem Münchner Toningenieur entwickelt worden war. Die Chororgel wies Ähnlichkeiten zum Mellotron auf. Vorproduzierte Tonband-Schleifen, auf denen Klänge und Chöre aufgenommen waren, wurden über eine Tastatur in Gang gesetzt. Jackson spielte dieses Instrument zuvor auf dem Amon Düül II Album „Tanz der Lemminge“ und später noch auf „Wolf City“. Über die Kontakte zu Amon Düül II – er hatte für „Wolf City“ seinen Moog zur Verfügung gestellt – machte auch Florian Fricke (Popol Vuh) Bekanntschaft mit diesem einzigartigen Instrument. In der Folgezeit benutzte er dieses Instrument für verschiedene Soundtracks von Filmen des Regisseurs Werner Herzog (u. a. Aguirre I, Aguirre II).

Wie ging es weiter mit Jimmy Jackson und Haboob? Der Plan, Jackson als eigenständigen Künstler zu etablieren, scheiterte. Die Musik von Haboob war trotz der Werbung durch das HörZu-Label (heute undenkbar, dass eine Massen-TV Zeitschrift eine derart spezielle Musik fördert) nicht massentauglich und finanziell ein Flop. Haboob war eine Seifenblase, die an der harten Realität des Musikgeschäfts trotz guten Willens sämtlicher Beteiligten schnell platzte. Jackson, der unbestritten in vielen Musikbereichen ein äußerst versierter Organist war, war weiter Gastmusiker, u. a. für Amon Düül II „Wolf City“, „Lemmingmania“), Embryo („Embryo’s Rache“, „Steig aus“, „Rock Session“), Utopia, Doldinger’s Passport usw. Mit Mal Waldron (elec. piano), Eberhard Weber (bass, cello), Fred Braceful (drums) nahm er 1971 für das renommierte Jazzlabel ECM das Album „The Call“ auf. 

In den 80ern spielte er für Marius Müller Westernhagen auf dessen Album „Stinker“, veröffentlicht 1981und begleitete ihn anschließend auf der gleichnamigen Tour. Nach der Tour meinte Westernhagen, dass er mit englischen Musikern billiger zusammenarbeiten könne. Damit war das Engagement für Jackson beendet. Von nachfolgenden nennenswerten musikalischen Tätigkeiten Jacksons ist trotz umfangreicher Recherche nichts bekannt.

Der Werdegang von Gitarrist William Powell und Schlagzeuger George Green ist ebenfalls weitgehend unklar. Powell spielte auf dem Album des Saxofonisten Eddie Taylor „Stormy Monday“ (u.a. auch dabei: Lothar Meid). Er verstarb zwischenzeitlich. Green blieb der Münchner Musikszene treu und spielte u.a. mit dem Jazzgitarristen Titus Waldenfels (tourte September '94 – September '95 mit Embryo). 

Was bleibt ist ein Album, welches den Zeitgeist der nicht nur musikalisch experimentierfreudigen frühen 70er Jahre eindrucksvoll widerspiegelt.

Wir danken besonders Olaf Kübler, der zur Wiederveröffentlichung des Albums maßgeblich beigetragen hat. 

Manfred Steinheuer, Februar 2009




Haboob "Haboob"

ISRAFIL 09:45
BLUES FOR WILLI PEE 03:52
SOOLOO 05:11
MORNING PRAYER 05:11
KEEP ON PUSHING 04:42
SOLDIER BOY 03:44
TIME TO BE 03:46





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