|
1973 war ein schwieriges Jahr für die deutsche Rockmusik: Der
Kraut- oder German Rock hatte seinen Höhepunkt überschritten. Die
Zeit der "langen Stücke" neigte sich dem Ende zu. Die
Spielarten des Deutsch-Rocks, sei es Underground, Psychodelic-,
Electronic- oder Politrock waren erschöpft...
An der Progressiv-Front also nichts Neues. Der gleiche Stillstand
auch im Pop-Rock-Bereich? Die Musikszene in Deutschland zwischen
ZDF-Hitparade und Deutsch-Rock glich einem wüsten Terrain, auf dem
die Realisierung eigenständiger Ideen von Qualität und Niveau
selten gelang. Schwarzmalerei? – Es gab Ausnahmen.
Bis 1973 hatten IMPROVED SOUND LIMITED bereits zwei
Langspielplatten veröffentlicht, 1969 den Soundtrack zu einem
Spielfilm und 1971 ein Doppelalbum (wiederveröffentlicht als CD auf
LONG HAIR LHC7). Letzteres als hochgelobte Visitenkarte für
Vielseitigkeit, Perfektion und Kreativität. In der Zwischenzeit
hatte die Band Auftragskompositionen für Bühnenstücke sowie Film-
und Fernsehmusiken eingespielt und sich weitere Wertschätzung
verdient. Sie hatte die Zeit aber auch genutzt, sich musikalisch
fortzuentwickeln. Axel Linstädt hatte zusammen mit seinem Bruder
Bernd neue Songs geschrieben – von "sanfter Aggressivität"
und "milder Rockrhythmik".
Die Richtung deutet sich bereits beim LP-Cover an: Ein dunkler Vogel
– mit einem Stetson auf dem Kopf
– hat sich auf einem „Desert-Highway“ niedergelassen.
Er trägt Cowboystiefel, deren pittoreske Buntheit ein ganz
spezielles Amerikabild assoziieren lässt und deren Details auf die
Inhalte der Songtexte anspielen. Entsprechend die Musik: Mit sorgfältig
arrangierten Harmonien wird ein imaginäres Amerika besungen, das so
heil nur noch in Westernepen oder alten Hollywood-Filmen existiert,
während die Musik den textlichen Inhalten die kongeniale klangliche
Entsprechung liefert. Nicht das hektische, von Vietnam bis Watergate
in Misskredit geratene und von der (damaligen) Dollarflaute geschwächte
Amerika ist Gegenstand der Betrachtung. Mit einem Hauch Wehmut
besingen IMPROVED SOUND LIMITED ein "Weites Land", ein im
Westen gelegenes, fernes und verlorenes Arkadien ...
"CATCH A SINGING BIRD" vereinigte - so der
Musikkritiker Reiner Weiss – wie in einem Brennspiegel Gedanken
und Gefühle, die allem Anschein nach bei einer immer größer
werdenden Minderheit zu einem Standpunkt hilfloser Betroffenheit über
den herrschenden Zeitgeist führten. Das Album hatte insoweit auch
eine politische Dimension. Während F. J. Degenhardt beispielsweise
noch seine „Rote Wut“ demonstrierte, hieß es in dem Song "Barricade":
'Got no barricade, no barricade to fight on'. Das war einfach
redlicher und der Situation angemessener. Dieser Titel,
melancholisch und introvertiert, ist ein thematischer Schlüssel zu
diesem Album, dessen Texte vorzugsweise die Vergangenheit als
Anklage der Gegenwart zitieren. Sie sind aus einer verblüffenden Fülle
von literarischen und kulturhistorischen Details zu einer
suggestiven Lyrik verdichtet, in der zu eindringlichen Metaphern
verkürzte Gedanken und Zusammenhänge verschlüsselt sind.
So gibt "A Poets'
Conversation" zum
Beispiel eine fiktive und
anachronistische Unterhaltung
zwischen James
Fenimore Cooper und Oscar Wilde im Catskill-Mountain-Hotel wieder, in der
Cooper seinem Kollegen einen kleinen Cheyenne-Vers zitiert: "Nothing
lives long, Mr. Wilde, only the mountains and the earth" und:
"Haben wir jemals so eine Zeile geschrieben?" Sie ist in Dee
Browns Buch „Bury My Heart At Wounded Knee“ nachzulesen, die Gästeliste
des Catskill-Mountain-House verzeichnet die Namen von Cooper und
Wilde. Der Text zu „Humphrey Bogart“ entstand übrigens, bevor
die nostalgischen Bogart-Retrospektiven in bundesdeutschen
Kunst-Kinos anliefen. „The Dark Lord” ist eine hinreißende
Ballade über J. R. R. Tolkiens Bestseller
„The Lord Of The Rings“. Trotz aller textlichen und
musikalischen Qualitäten blieb IMPROVED SOUND LIMITED ein
Geheimtip, denn die Radio-DJs präferierten weiterhin das Gängige
und
Gewohnte.
Doch hatte das Album "CATCH A SINGING BIRD ON THE ROAD"
eine bemerkenswerte Presse-Resonanz, und dieses Mal nicht nur in den
Feuilletons:
Hör Zu (Nr. 45/73):
"Deutsch – und doch nicht Deutsch-Rock: Die I. S. Ltd. mit 'Catch A Singing Bird On The Road'. Ein sehr cooler Sound, das,
was die Amerikaner als >laid back< bezeichnen. So sanften
Country-Rock hörte man hierzulande noch nie."
pop (Nr. 17/73):
"I. S. Ltd. bringt wieder eine melodiöse Klangverbindung, 10 Stücke
von Axel und Bernd Linstädt mit den verschiedensten Stilrichtungen,
die in Amerika entstanden und in England wesentliche Impulse
bekamen."
Nürnberger Zeitung (18.09.73):
"... eine musikalisch auf Sonderniveau stehende Platte. Allein das
H. C. Artmann gewidmete ’Dark Lord’ wäre Grund genug, die Novität
zu erwerben."
PLAYBOY (Nr. 9/73):
"Nach wie vor ist die aus Nürnberg stammende I. S. Ltd. die
einzige deutsche Gruppe, die sich –ohne epigonal zu wirken–
allemal mit den besseren anglo-amerikanischen Bands messen kann."
Abendzeitung (05.09.73):
"Die Platte hat persönliche Handschrift. Die zehn Songs sind auf
eigentümliche Weise faszinierend..."
DIE ZEIT (Nr. 40/73):
"... leider die einzige deutsche Rock-Band, die die Lektion der
Beatles begriffen hat und mit ihrer Musik weder Heideggerschen
Tiefsinn verbreitet noch sich in anachronistischen Psychodelica
versucht. Die Kompositionen ihres neuen Albums tendieren stilistisch
zum Country Rock, den sie genauso ingeniös und professionell
spielen wie die amerikanische Konkurrenz, etwa Poco oder die New
Riders Of The Purple Sage."
Nürnberger Nachrichten (25.08.73):
"Die Musik vermittelt ein Lebensgefühl, das von erstaunlicher
Unabhängigkeit zeugt. Die LP anzuhören, bereitet Freude. Stimmung
und Atmosphäre teilen sich spontan auch ohne Interpretation des
Textes mit – und das ist schließlich das wichtigste Kriterium
einer hervorragenden Pop-Produktion..."
Manfred Steinheuer, November 2001
IMPROVED SOUND LIMITED "Catch A Singing Bird..."
HUMPHREY BOGART 04:51
THE DARK LORD
03:34
BARRICADE
03:14
A POETS' CONVERSATION 03:25
CATCH A SINGING BIRD ON THE ROAD
03:25
SUNDAY MORNING AFTER CHURCH
03:32
BREED
03:42
MOUNTIN MOONSHINE
04:00
RIO BRAVO 59
02:39
HOT BISCUIT SLIM
04:20
THE DARK LORD
BONUS
TRACK
|