Joe Beck
           Nature Boy                    


Joe Beck ist den meisten Musikfreunden als bedeutender Jazz-Gitarrist ,Komponist und Produzent bekannt. Bereits mit 18 Jahren verließ er 1963 seine Heimatstadt Philadelphia und ging nach New York, wo er dank seiner schon damals besonderen Fertigkeiten Engagements als Begleitmusiker bekannter Jazz-Größen fand (u. a. Paul Winter, Charles Lloyd, Gary McFarland und Chico Hamilton). Miles Davis verpflichtete ihn als ersten „Elektrogitarristen“. Ende 1966 spielte er mit einem der weltbesten Flamencogitarristen, Sabicas ,die LP “Rock Encounter“ ein, ein auch aus der Retrospektive in jeder Hinsicht außergewöhnliches Album (auf CD erstmals veröffentlicht auf Long Hair, LHC 48).Die Aufnahmen zu dieser LP verschafften ihm einen Schallplattenvertrag mit MGM/Verve und 1967/68 wurde „Nature Boy“ eingespielt.Wegen weiterer Details wird auf die nachfolgenden Anmerkungen von Joe Beck -höchstpersönlich!- verwiesen.

Da er zum Zeitpunkt der Aufnahmesession über keine eigene Band verfügte, gewann Joe Beck als Schlagzeuger Donald MacDonald, späterer Bandkollege bei Jeremy And The Satyrs, zusätzlich Drummer der Tim Hardin Band und ebenfalls bei Verve unter Vertrag. Joe Beck (Gitarren, Bass, Orgel und Piano) und Donald McDonald (zwischenzeitlich verstorben) spielten hauptsächlich das Album ein mit gelegentlicher Hilfe von Don Payne am Bass, dem Crazy Horse Gitarristen Danny Whitten (starb 1972) und Trompeter Randy Brecker. 

Mit Ausnahme des Jazz-Standards „Nature Boy“ wurden alle Titel von Joe Beck komponiert. Die dem Album den Titel gebende Fremdkomposition „Nature Boy“ (komponiert von einem gewissen Eden Ahbez) hat Joe Beck in seinem weiteren musikalischen Schaffen noch mehrmals mit verschiedenen Jazz-Größen aufgenommen. 

„Nature Boy“ war zuvor bereits von Nat King Cole, Frank Sinatra, Miles Davis, John Coltrane und anderen veröffentlich worden und ist interessanterweise auch Teil des Soundtracks zum Film Moulin Rouge – hier von David Bowie gesungen! Ein wandlungsfähiger, auf die verschiedensten Arten interpretationsfähiger Titel, den Joe Beck auf dem vorliegenden Album genial als Psychedelic-Rocksong präsentiert mit höchst beeindruckender Gitarrenarbeit. 
„Nature Boy“ ist ein kongenialer Opener des gleichnamigen Albums, welches Vernon Joynson in seinem empfehlenswerten Buch „Fuzz, Acid and Flowers“ zutreffend als Mix aus Psyche, Rock und Jazz mit gelegentlichen klassischen Einflüssen beschreibt. Eindeutig dominierend sind die Psychedelic- und Rockanteile. Ein Album, das mit spannenden Kompositionen und hohem handwerklichen Können fasziniert.

1968 schloss er sich als ständiges Mitglied Jeremy Steig’s The Satyrs an. Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich tourten Jeremy and The Satyrs gemeinsam mit Cream durch die Staaten. Offen für musikalische Ideen und Formen außerhalb des Jazz konnte sich Joe Beck der Faszination dieser herausragenden Band nicht entziehen. Auch das für die damalige Zeit neue und ungewöhnliche Gitarrenspiel von Jimi Hendrix ließ ihn nicht unberührt.

Neben seiner Funktion als Bandleader, Produzent, Komponist, Arrangeur und Begleitmusiker vieler bekannter Musikgrößen aus dem Bereich des Jazz, Jazz-Rock und Funk, entwickelte Joe Beck parallel eine Karriere als Komponist von Erkennungsmelodien für TV und Radio und erwarb sich in der Folgezeit ebenso allseits Anerkennung für seine Filmmusiken und die Vertonung von Fernsehdokumentationen. Außerdem arbeitete er mit dem Royal Philharmonic Orchestra in London, den Mailänder Philharmonikern und dem Paris String Ensemble bei gemeinsamen Studioproduktionen. 

Heute ist Joe Beck u.a. als Musiker, Komponist und Produzent aktiv und auch auf Konzerttouren zu sehen und zu hören. Für weitere Infos über Joe Beck sei auf seine Website www.joebeckmusic.com verwiesen. 

Manfred Steinheuer, April 2006

 

Nature Boy (The story told by Joe Beck)

Die Entstehungsgeschichte dieses Albums ist filmreif. Ein 60iger Jahre Abenteuer! Alles begann damit, dass mir Verve einen Schallplattenvertrag vorlegte mit einem Vorschuss von $ 100.000,00. 1967 war dies eine riesige Summe. Ich bestand darauf, dass die Aufnahmen in meinem Haus stattfinden sollten und dass Verve ebenso Warren Bernhardt (Piano, Organ) für die Aufnahmen verpflichten sollte. Verve stimmte dem zu ohne weiter Fragen oder Forderungen usw. zu stellen, so dass die Vorbereitungen zu den Aufnahmen kurz darauf erfolgen konnten. Die Musiker lebten alle in meinem Haus. Ich hatte alle möglichen Instrumente und technischen Geräte, die zur damaligen Zeit verfügbar waren, gemietet. Ebenso als Toningenieur Jay Messina. Alle lebten, wie gesagt, in meinem Haus und wir hatten einen Monat Zeit, das Album fertig zu stellen. Meine damalige Verlobte (Diane Doe) und Warrens zukünftige Frau gerieten bald in einen heftigen Streit, was letztlich dazu führte, dass die Aufnahmen nicht weitergehen konnten. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die Ehe nicht lange anhielt. Kurzum: Nach all den Vertragsgesprächen und dem Erhalt des Geldes zur Finanzierung der Aufnahmen, verprassten wir das gesamte Budget für Partys und „weiß der Teufel für was sonst noch“.... und am Ende des Monates hatten wir gerade einen Titel eingespielt. Einen Titel! „Spoon’s Caress“ nur mit Akustikgitarre und Congas. Wir hatten $ 100.000,00 verbraten und nichts erreicht. Das waren die 60iger. 

Nun war es aber auch Zeit der Plattenfirma Verve zu zeigen, für welch großartiges Projekt sie bezahlt hatten. Notgedrungen begann ich, auf mich allein gestellt, mit den Aufnahmen und spielte nahezu alle Instrumente und Musikteile mit Ausnahme des Schlagzeugs, welches Donald MacDonald freundlicherweise erledigte. Ich sang, spielte Bass, Piano, Gitarre, Percussion; alles was nötig war, um das Album auf die Reihe zu kriegen. Während der Aufnahmen kamen Besucher vorbei und das ist der Grund, warum Randy Brecker und Danny Whitten mitgespielt bzw. mitgesungen haben. Den orchestralen Anfangsteil des Titels „The Rapid Disintegration of a Chamber Orchestra“ hatte ich für Freunde, als Weihnachtsgeschenk des Jahres zuvor, komponiert. Da war ich 20 oder 21 Jahre alt. Es war tatsächlich ein Geschenk für die Musiker, die für mich gearbeitet hatten in der Zeit als ich Musik für TV-Werbung komponierte. Sie waren großartige Musiker und ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, einmal etwas anderes zu spielen, als die musikalische Untermalung von Werbespots. Dieser Titel war Teil eines 20-Minuten-Stückes für Klavier, welches in den Jahren zuvor in Vergessenheit geraten war und zudem konnte ich meiner Lust am Klavierspielen frönen.

Die ganze Story von „Nature Boy“ zu erzählen würde einige Zeit in Anspruch nehmen und ich bin nicht sicher, ob sie es wirklich wert wäre. „Nature Boy“ gibt Aufschluss über mein Leben zu der Zeit, wobei eine zu intensive Beschäftigung damit alte Wunden wieder aufbrechen lässt. Einige der Beteiligten haben die damaligen Zeiten nicht überlebt, andere haben sich vom Musikgeschäft verabschiedet. Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die die Musik und den Lebensstil der 60iger überlebt haben, gegenüber unserer Kunst Hochachtung empfinden, genau so wie gegenüber denjenigen, die sie ins Verderben geführt hat. Ich denke oft an diejenigen, die die Zeit nicht überlebt haben und widme dieses Projekt dem Andenken an Donald MacDonald. Er wird immer mein Lieblingsschlagzeuger bleiben und hat mit seiner Musik und seiner Liebe Tausende berührt. 

Joe Beck, Mai 2006

 

1. Nature Boy 05:31
2. Spoon’s Caress
03:17
3. Let Me Go
03:43
4. Come Back: Vision Without You
06:05
5. Maybe
03:21
6. No More Blues
06:26
7. Goodbye L. A.
06:22
8. Please Believe Me
05:28
9. Aint’t No Use In Talkin’
05:33




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