Jud's Gallery          
SWF-Session Vol. 1                    


SÜDWESTFUNK (SWF) SESSION 1970 – 1975

Von Musikfreunden lange als verschollen angesehen: Die legendären SWF-Radio-Produktionen aus den Jahren 1970-1975. Jetzt liegen sie vor, in überarbeiteter Studioqualität und von hohem musikalischen Wert. Ein „Muss“ für alle Freunde der progressiven Rockmusik und des Krautrocks. Unter dem Serientitel „SWF-Talentsuche Nachwuchsgruppen“ hatte der damalige Radiosender Südwestfunk (nach der Verschmelzung von Südwestfunk und Süddeutscher Rundfunk – heute Südwestrundfunk) unter der Federführung von Walther Krause Nachwuchsgruppen eingeladen, unter Studiobedingungen ihre Musik einzuspielen und diese im Rahmen der Sendung STARS UND HITS und POPSHOP einer zahlreichen, interessierten Hörerschar vorzustellen. Diese Sendungen waren Pflichtprogramm für alle Fans von Prog- und Krautrock. Bands wie KRAAN, MY SOLID GROUND, CURLY CURVE u. a. haben seinerzeit dort erste Schritte gemacht und den Grundstein für ihre weitere Entwicklung gelegt. Aber auch andere Bands nutzten ihre Chance und legten hervorragende Aufnahmen vor, die den interessierten Fans nicht vorenthalten bleiben sollen. Im Rahmen einer neuen Reihe auf LONG HAIR werden diese verloren geglaubten Produktionen erstmals veröffentlicht. Damit soll auch die Pionierarbeit des SWF gewürdigt werden, talentierten Nachwuchsgruppen ein Forum für ihre Musik zu bieten. 

Vol. 1 der Edition stellt die Gruppe JUD’S GALLERY aus Offenburg vor: JUD’S GALLERY spielten bei 2 Aufnahmesessions – 
28.07.1972 und 29.03.1974 – insgesamt 9 Titel ein. Sämtliche Titel sind digital remastert und von den Originalbändern überspielt, was eine hervorragende Soundqualität gewährleistet. JUD’S GALLERY wurden 1971 vom Bandleader Jürgen (Judy) Winter gegründet, der der Band auch den Namen gab. Einziges weiteres Gründungsmitglied, welches bei beiden Aufnahmesessions mitwirkte, ist Peter Oehler, der zuvor mit Judy bereits in anderen Bands gespielt hatte. Beide enthusiastisch, voller musikalischer Ideen und von einem Hang zur Perfektion getrieben, fanden kongeniale Mitstreiter, zunächst in Hannes Gremminger, Herbert Brandmeyer und Elly Lapp, die kurzzeitig mit für den Gesang zuständig war, die Gruppe aber bald wieder verließ. In dieser Besetzung wurden 5 Titel bei der ersten Aufnahmesession am 28.07.1972 eingespielt. Auf Initiative des ehemaligen SWF-Moderators, Hans-Jürgen Kliebenstein, war die Band zu den Aufnahmesessions eingeladen worden. Sämtliche Titel wurden an einem Tag im radioeigenen Studio U1 in Baden-Baden eingespielt, ohne Overdubs oder der Möglichkeit der Nachkorrektur. 

Unter diesen Bedingungen sendefähige Titel, die musikalisch einen sehr starken Eindruck hinterlassen, zu produzieren, beweist das bemerkenswerte musikalische Können der damals noch recht jungen Band (Durchschnittsalter 21 Jahre). Mit diesen Aufnahmen öffnete sich für JUD’S GALLERY der Weg zu den überregionalen Konzertveranstaltern. Die Band, die in ihrer Region bereits zu diesem Zeitpunkt in allen einschlägigen Clubs aufgetreten war, wurde nun auch als Supportband für internationale Rockgrößen engagiert. Eine deutschlandweite Tournee mit GOLDEN EARRING wurde absolviert. Die Gruppe spielte im Vorprogramm zu STEAMHAMMER, PRETTY THINGS, BEGGAR’S OPERA, EKSEPTION, ALEXIS KORNER usw. Daran schlossen sich deutschlandweite Konzerte als Headliner an, Auftritte im französischen Grenzgebiet und auf Festivals. JUD’S GALLERY waren gleichermaßen hochgeschätzt von Fans und Konzertveranstaltern. 

Auf einem Festival im süddeutschen Raum wurde die Band von Roland Schaeffer (u.a. FASHION PINK, BRAINSTORM, GURU GURU) angesprochen, der als Produzent für den SWF tätig war. Dieser lud die Band, deren Besetzung zwischenzeitlich gewechselt hatte, zu einer zweiten Aufnahmesession ein. Am 29.03.1974 wurden weitere 4 Titel, u. a. das 12-minütige Nordrach, in der Besetzung Jürgen Winter, Peter Oehler, Clem Winterhalter und Sibi Siebert eingespielt. Diese Aufnahmen steigerten nochmals die Reputation der Band und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann JUD’S GALLERY eine LP veröffentlichen würde. Ein Kontakt zu Achim Reichel’s Label 
„GORILLA MUSIC“ war hergestellt. Kurz bevor es ins Studio gehen sollte, hatte sich die Band, die trotz der vielen Auftritte hart um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen musste, jedoch aus persönlichen Gründen aufgelöst. 

Geblieben sind die Erinnerungen an eine tolle Zeit voller Begeisterung und Hoffnung und die vorliegenden Aufnahmen einer fantastischen Band, der der verdiente durchschlagende Erfolg seinerzeit nicht vergönnt war. Jürgen Winter siedelte nach der Auflösung von JUD’S GALLERY ins Rheinland über, wo er mit Helmut Krieg (SPERRMÜLL) 1976 WINTERKRIEG gründete. 
Sibi Siebert, der ebenfalls ins Rheinland verzogen war, komplettierte die Band dann wenig später als Drummer. Da die Band überleben musste und auf keine wirtschaftlich solide Basis zurückgreifen konnte, musste schleunigst ein Live-Programm erstellt werden, um die Band durch Auftritte am Leben halten zu können. Dies war bereits nach kurzer Zeit der Fall, wobei WINTERKRIEG neben neuen Stücken auch auf die Klassiker aus der JUD’S GALLERY-Zeit (Nordrach und Danger of Shoot u.a.) zurückgriff. Die Band strebte eine absolut professionelle Laufbahn an und bediente sich als Roadie und Live-Mixer der Hilfe des englischen Roadies William Hindmarsh, genannt „Billy“, ein guter Freund des auch damals schon sehr bekannten Gitarristen Gary Moore. Obwohl die Band innerhalb kürzester Zeit sich regional und auch deutschlandweit einen guten Namen als Live-Performer machte, kam es nicht zu einem Plattendeal. Angesichts des damals aktuellen Philly-Sound und der kurz darauf startenden Disco-Welle war das Interesse deutscher Plattenlabels an handgemachter Rockmusik gering. Um überhaupt als Band weiter existieren zu können, gründeten Jürgen Winter und Helmut Krieg eine Musikalienhandlung und schufen damit die finazielle Basis für die Band, die noch bis weit in die 90iger Jahre in wechselnder Besetzung aktiv war. Sibi Siebert verließ WINTERKRIEG Ende der 70iger Jahre und wechselte zu den in den Achtzigern recht bekannten und erfolgreichen TWELVE DRUMMERS DRUMMING. Als Spezialist für Schlagzeugteile ist er nach wie vor im Musikgeschäft aktiv. 

Auch Peter Oehler blieb der Musik treu, spielte noch in verschiedenen Bands, u. a. bei NINE DAYS WONDER auf deren 1975 erschienen LP Sonnet to Billy Frost. Heute ist er Musikchef von Radio Ohr in Offenburg. 

JUD’S GALLERY bzw. der Bandleader Jürgen Winter geriet wieder in die Schlagzeilen, als es Ende 2000 zu einem Rechtstreit mit Virgin Records und Gary Moore kam, in dem Jürgen Winter Gary Moore und der dessen Titel „Still got the blues“ veröffentlichenden Plattenfirma Virgin Records vorwarf, sich unerlaubterweise des Themas aus dem Schlussteil des JUD’S GALLERY-Klassikers „Nordrach“, eine Komposition von Jürgen Winter, bedient zu haben. Angesichts des Welterfolgs dieses Titels ein in mehrfacher Hinsicht brisanter Vorwurf! Auch im Jahre 2007 ist dieses Verfahren noch beim Landgericht München anhängig. Der vom Gericht beauftragte Sachverständige, der die Plagiatsvorwürfe prüfte, kam zum Ergebnis, dass seiner Meinung nach Gary Moore, die den Ohrwurmcharaker von „Still got the blues“ kennzeichnende Gitarrenmelodie, nicht ohne Kenntnis des Titels „Nordrach“ hätte einspielen können. Weitere Informationen zu diesem Rechtstreit können auf der Website www.juds-gallery.com erfahren werden. 

Jürgen Winter ist heute als freier Musiklehrer aktiv und betreut zur Zeit die Nachwuchsband TWEEKS. 

Manfred Steinheuer, September 2007

 

01. INSPIRATION*° 04:36
02. DANGER OF SHOOT*° (early version) 04:47
03. FOLLOW ME*° 11:14
04. FRIENDS* 05:15
05. CATCH THE FLY*° 08:00
06. REACHING** 06:00
07. DANGER OF SHOOT** (real version) 08:10
08. NORDRACH** 12:00
09. WHITE WOMAN** 04:10
Bonustrack 10. NEW DAY’S DAWNING 13:29






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