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Mit KOLLEKTIV
präsentiert sich in der Reihe SWF-Sessions auf Long Hair erstmalig
eine Band, die zum Zeitpunkt der SWF-Aufnahmen –06.07.1973–
schon relativ bekannt war.
Bereits im März 1973 hatte die Gruppe mit Conny Plank als
Co-Produzent und Toningenieur für das legendäre Brain-Metronome
Label ihre erste LP aufgenommen. Von Progressiv- und Krautrockfans
sowie Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen, zeigte sie
eine weitere, neue Spielart innovativer, zeitgenössischer deutscher
Rockmusik, die mit einer Nominierung für den deutschen
Schallplattenpreis gewürdigt wurde. Die Wiederveröffentlichung der
LP auf Long Hair ist in Planung. Zwei Musiktitel, die auf der LP
enthalten sind, spielten KOLLEKTIV
auch für den SWF im rundfunkeigenen Studio U 1 in Baden-Baden
ein. „Baldrian“ und „Gageg“ in der SWF-Version belegen die
Improvisationskunst der Band und ihr erfolgreiches Bemühen, die
jeweils besten Ideen weiterzuverarbeiten und dynamisch mit den
Grundthemen umzugehen. Auch die weiteren drei Titel, der stetigen
Weiterentwicklung unterworfen, sind Momentaufnahmen, die sich um ein
festes Gerüst ranken, getragen von bemerkenswerter
Instrumentenfertigkeit, dem Bestreben zu experimentieren und die
vorhandenen Freiräume zu nutzen.
Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte der Band und die
musikalischen Wurzeln der Musiker hilft, das musikalische
Selbstverständnis von KOLLEKTIV nachvollziehen und einordnen zu können.
Waldo Karpenkiel erinnert sich: „Beeinflusst von der aus England
kommenden Beatmusik spielten wir ab 1964 in der Schülerband The Generals: mein
Zwillingsbruder Jogi am Bass, Jürgen Havix spielte Gitarre und ich
war der Schlagzeuger. Allmählich wurden wir der Beatmusik überdrüssig
und hörten uns die ersten Platten von Frank Zappa, Blodwyn Pig oder
King Crimson an. Auch Jazzer wie Jimmy Smith, Wes Montgomery oder
Cannonball Adderly beeinflussten uns. Jogi experimentierte dann mit
den Phantoms, einer
weiteren Krefelder Band, in der u.a. Ralf Hütter Orgel und Klaus
Dapper, der aus Duisburg stammte, Flöte und Saxophon spielten. Jogi
kehrte dann 1968 zu den Generals zurück. Wir überlegten, ob wir
nicht mit einem Bläser zusammenarbeiten sollten und nahmen Kontakt
zu Klaus D. auf. Ralf Hütter hatte zwischenzeitlich Organisation
gegründet, die Vorläuferband zu Kraftwerk.
Aus den Generals und Klaus D. wurden 1970 KOLLEKTIV.
Unsere Maxime lautete: Alles ist erlaubt! Musik als Experiment!
Effektgeräte, teilweise selbstgebaut, werden benutzt; eine Zither,
elektrisch verstärkt, wird mit Schlegeln bedient, der Bass mit dem
Bogen gestrichen. Donnerbleche und rotierende Metallscheiben werden
eingesetzt, ebenfalls allerlei exotisches Instrumentarium oder auch
artfremdes Gerät. Die Musikstücke bestehen aus Minimalthemen, über
die häufig 10, 15 oder auch mehr Minuten improvisiert wird. 1971
waren wir dann soweit, dass wir auf Tour gehen konnten. Das erste
Konzert findet im 400 km entfernten Wilhelmshaven statt. Am letzten
Tag vor der Tour kauften wir in aller Eile für DM 400,00 einen
VW-Bus. Er trägt die Aufschrift Campari-Bitter und erweist uns
jahrelang treue Dienste. Wir sind in fast allen einschlägigen
Musikclubs aufgetreten, auf Unifesten ebenso wie auf kleinen und großen
Festivals. Häufig spielten wir auch mit Sweet Smoke, mit denen wir uns angefreundet hatten.
Durch die intensiven Proben und die häufigen Auftritte motiviert
dachten wir über die Veröffentlichung einer LP nach. Mein Bruder
Jogi fuhr zu Conny Plank nach Hamburg, um uns dort vorzustellen und
Absprachen zu treffen. Im März 1973 kam es dann zu den Aufnahmen,
die auf der Brain LP veröffentlicht wurden. Wir bewarben uns
anschließend mit einer Democassette beim SWF, der uns dann zu
Aufnahmen einlud. Das SWF-Aufnahmestudio stand nur für einen Tag
zur Verfügung. Da zuvor noch unsere umfangreiche Anlage aufgebaut
werden musste und ein Soundcheck ebenfalls noch zu absolvieren war,
verblieb für die eigentlichen Aufnahmen nur wenig Zeit. Korrekturen
oder Overdubs waren nicht möglich. Trotzdem waren wir mit den
Aufnahmen sehr zufrieden.
Der erste Bruch in der Band erfolgte 1975. Mein Bruder Jogi und Jürgen
H. verließen die Gruppe. Jogi wechselte zu Guru
Guru, wo er bis ca. 1979 den Bass spielte. Jürgen wandte sich
der freien Musik zu. Jochen Schrumpf (gt) und Detlef Wiederhöft (bs)
steigen neu ein. Diese Besetzung blieb bis 1978 zusammen.
1979 gründete ich die Rock-Jazz Bigband Supersession,
mit der wir mehrere LPs einspielten und bei der auch Klaus
mitwirkte. Daneben waren wir als Gastmusiker bei zahlreichen
LP-Produktionen tätig.“
1987 reformierte sich KOLLEKTIV
mit Waldo, Klaus, Jochen, dem schwedischen Ausnahmebassisten Jonas
Hellborg, als weiteren Gast Volker Kriegel – Keyboarder Thomas
Bettermann und veröffentlichte eine CD auf ITM Records.
Zurück zu der Urbesetzung von KOLLEKTIV,
die auf den SWF-Sessions und auf der Brain-Metronome LP zu hören
ist:
Präsentiert wird ein unvergleichbarer, unverwechselbarer Sound mit
Anklängen an die Musik von Organisation
und den frühen Kraftwerk;
spacig und trotzdem melodisch, abgehoben aber auch rockig,
innovativ: im besten Sinne progressiv, konsequent in der Ausführung
der Absicht, musikalisches Neuland zu betreten, ohne die Wurzeln zu
verleugnen. Dem SWF sei Dank können aus dieser höchst kreativen
Phase von KOLLEKTIV
weitere Titel, neben denjenigen, die auf der Brain LP enthalten
sind, nun erstmals vorgestellt werden!
Manfred Steinheuer, Februar 2001
Dank an: Waldo
Karpenkiel, Klaus Dapper, Jogi Karpenkiel, Jürgen Havix,
Christiane, Trevor Wilson (Translation), shapefruit AG, SWR-Media
GmbH
KOLLEKTIV "SWD Session Vol. 5"
TAMBOURA 04:36
SUBO
04:47
MOLLZITTER
11:14
BALDRIAN
05:15
GAGEG
08:00
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