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Als MADE IN GERMANY 1971 ihr gleichnamiges und einziges Album auf
Metronome (MLP 15.416) veröffentlichten, war dies der Lohn für
jahrelanges engagiertes Üben in muffigen Proberäumen. Auf dem
Beethoven-Gymnasium in Westberlin nahm alles seinen Ursprung. Die
Westberliner hatten als Schülerband begonnen, die Hits ihrer
Vorbilder nachzuspielen. Unter dem Namen „Cosmics“ betrachteten
sie „Musikmachen“ noch als Hobby. Angespornt vom lokalen Erfolg
konkurrierender Schülerbands und höchst infiziert von der
allgemeinen Beathysterie spielten sie sich bald in die 1. Liga. Ab
1965 machten sie unter dem Namen „Take Five“ in den Berliner
Jugendclubs Furore. 1968 belegten sie gemeinsam mit der
tschechischen Band „Atlantis“ den 1. Preis bei einem
internationalen Beatfestival. Die Bands freundeten sich an und
besuchten sich gegenseitig. Als die Musiker von „Atlantis“ sich
trennten, blieb deren Gitarrist (Stan Regal) in Berlin, heiratete
und begann im Audio-Tonstudio zu arbeiten. Eine günstige
Konstellation für die Band, die handwerklich sehr versiert war,
aber auch genügend selbstbewusst, sich ihren Traum zu erfüllen,
ihr Musikmaterial in einem richtigen Tonstudio aufzunehmen und einen
Plattenvertrag zu bekommen.
Die
Musiker legten den unpopulären Titel „Take Five“ ab und nannten
sich nun MADE IN GERMANY. Stan Regal verschaffte ihnen die Möglichkeit,
im Audio-Tonstudio professionelle Aufnahmen zu machen. Zunächst war
eine Single geplant, der ein Album folgen sollte. Ein Teil der
Aufnahmen war schon fertiggestellt, als die Jungs von MADE IN
GERMANY Rita Peuker kennen lernten. Rita war Sängerin einer lokalen
Band, deren Auftritt sich die Jungs angesehen hatten. Sie waren
begeistert und warben Rita gleich ab. Die vorhandenen Titel wurden
nun auf Rita umgeschrieben und neu produziert. Rita wurde die
Frontfrau von MADE IN GERMANY.
Als
erstes wurde „Don’t forget the Time“ als Single-Auskopplung
aus dem Album veröffentlicht. Wenige Monate später folgte das nun
erstmals auf CD wiederveröffentlichte Album.
Auf
ihrem Album verknüpfen MADE IN GERMANY im positiven Sinn Pop-und
Progressive-Rock-Elemente. Dies zeigt sich auch an der Dauer der
einzelnen Titel, die zwischen knapp 3 und über 9 Minuten währt.
Die
kurzen Titel zeigen die Fähigkeiten der Musiker, kompakte, melodiöse
und mit hohem Wiedererkennungswert ausgestattete Songs mit Anspruch
zu komponieren, wobei die Querflöte als führendes Instrument
herausragt. Auf den längeren Titeln beweisen die Musiker ihr
Improvisationstalent. Auch klangliche Überraschungen wurden
eingebaut. So wurden bei „Man in History“ die großartigen
Orgelsounds in einer Kirche aufgenommen. Wolfgang Schulz (Gitarre,
Gesang) studierte zu der Zeit Elektrotechnik und probierte allerlei
technische Spielereien aus. So hatte er einen Rotosizer entwickelt,
ein Gerät, welches auf den Möglichkeiten der Quadrophonie basiert.
Es schickt den Ton nacheinander stufenlos in 4 Lautsprecher. So
gewann der Hörer den Eindruck, die Musik fließe um ihn herum.
Dieser Effekt kam besonders bei den Live-Auftritten der Band zur
Geltung.
Auf
eine bestimmte Musikrichtung wollten sich MADE IN GERMANY allerdings
nicht festlegen lassen. „Unser Stil ist, dass wir keinen
haben!“, äußerte Stephan Pade, Texter der Band, 1971 in einem
Zeitungsinterview. „Wir machen unsere Songs selber; zur Zeit sind
wir etwas progressiv, man weiß jedoch nicht, was wir uns morgen überlegen“.
Es
überrascht nicht, dass die attraktive Frontfrau und Sängerin der
Band, Rita Peuker, die meiste Aufmerksamkeit der Medien auf sich
zog. In einem Stern-Artikel 1972 wurde sie im Rahmen eines Berichtes
über „Rock- und Bluesmädchen“ neben Inga Rumpf, Chris Braun
und Joy Fleming wegen ihrer schönen, klaren Stimme gewürdigt und
über ihre Stellung als „Mädchen in einer Gruppe“ berichtet.
Das Album der Band war finanziell eher ein durchschnittlicher
Erfolg. Der Bekanntheitsgrad der Band beschränkte sich im
wesentlichen auf Berlin. Zwar wurde mehrmals ein Umzug nach
Westdeutschland in Erwägung gezogen, aber letztlich blieb die Band
doch in ihrer Heimatstadt Berlin, wo sie sich allerdings ziemlich
isoliert fühlte. Die Plattenfirma unterstützte sie nicht bei der
Durchführung einer deutschlandweiten Tournee, sodass die Band das
Album auch nicht genügend promoten konnte, um gute Plattenumsätze
zu erzielen.
1972
und 1973 wurden noch jeweils eine Single für BASF aufgenommen, die
als Bonustracks auf der vorliegenden CD enthalten sind.
In
Vorbereitung einer zweiten LP entstanden 1974 weitere Songs, die als
Demo-Version mit leicht veränderter Besetzung (neuer Schlagzeuger)
in einem Hamburger Studio aufgenommen wurden. Fertig gestellt werden
konnte diese LP jedoch nie, da Rita die Gruppe einige Zeit nach den
Aufnahmen verließ. Aus dieser Zeit stammen drei Titel, die als
weitere Bonustracks auf der CD zu hören sind. Leider entspricht
deren Klangqualität nicht den berechtigten Erwartungen. Als
Zeitdokument sollen sie den Hörern jedoch nicht vorenthalten
bleiben.
In
wechselnden Besetzungen spielte MADE IN GERMANY noch einige Jahre.
„Aus Spaß“ nahm die Band 1977 eine deutschsprachige Single auf,
die hier aber zu vernachlässigen ist.
Hans-Dieter
Graber starb im September 2000. Ihm ist die CD gewidmet!
Manfred
Steinheuer, April 2002
Wir
danken Stephan Pade für die freundliche Unterstützung! |