|
Wenn sich 2 ausgezeichnete Musiker mit 2 englischen, dem Rock
verpflichteten Musikern in einem kleinen bayerischen Dorf Anfang der
70er Jahre zusammenfinden, kann es sich nur um eine Rockband
handeln. Die Ortsansässigen dachten bestenfalls, dass ein Zirkus in
ihr Dorf eingefallen sei. So war es nichts besonderes, dass die
Bewohner durch unser Küchenfenster starrten, um einen Blick auf die
„Aliens“ zu erhaschen. Dabei wollten wir nur komponieren, proben
– einfach gute Musik machen. Natürlich ging es nicht nur um die
Musik – es waren die 70er, die Zeit der selbstgedrehten
„lustigen“ Zigaretten, Peace and Love usw. Unser Haus war stets
voller Gäste – GIs auf ihrem Weg nach oder gerade zurück aus
Vietnam, die örtlichen Freaks, Freundinnen und Kinder, Hunde,
Katzen, Kaninchen und sogar zeitweise ein Affe, wenn mich die
Erinnerung nicht trügt, sorgten für Betrieb. Kein Wunder, dass die
Dorfbewohner reichlich verwirrt waren. Wir gaben eine Menge Konzerte
und obwohl wir davon überzeugt waren, dass wir ordentlich was drauf
hatten, waren wir nicht auf die unglaubliche Reaktion des Publikums
und schließlich auf den „PLATTENVERTRAG“ vorbereitet –
„Jungs, unterschreibt mal hier eben auf der gestrichelten
Linie.“ So ging es los, wir gingen ins Studio, wir wurden
abgezockt, kommt Euch das bekannt vor? Was soll’s, immer noch gibt
es eine Menge Leute, die sich an uns erinnern und nach uns fragen.
Ist das nicht großartig! Ruiniert und desillusioniert haben wir die
Band 1974 aufgelöst. Trotzdem würde ich morgen alles noch einmal
so machen. Danke an alle, die zu unseren Konzerten gekommen sind,
das Album gekauft und an uns geglaubt haben; es war eine
fantastische Zeit! Ray Brown, November 2006 PS: Kürzlich haben wir
uns uns nach mehr als 30 Jahren noch mal getroffen, leider ohne
Stuart Fordham, der vor einiger Zeit von uns gegangen ist und dem
wir diese CD widmen.
Jeff Beer: Tätig als freischaffender Komponist, Perkussionist und
mehrspartig arbeitender bildender Künstler. Zahlreiche Konzerte,
Ausstellungen und Projekte im In- und Ausland. Lebt und arbeitet in
Gumpen/Nordostbayern (www.JeffBeer.de).
Ray Brown: Arbeitet als selbständiger Zimmermann in London/England.
Rob Terstall: Gitarrist und Bassist in verschiedenen Jazz- und
Rock-Formationen in Deutschland. Lebt in Neustadt/Aisch bei Nürnberg.
Stuart Fordham: War vor seinem frühen Tod (2003) Partner in einer
Londoner Company,
die elektronisches Audio-Equipment für die TV- und Radioindustrie
produzierte.
Das Album hatte eine bemerkenswerte Presseresonanz:
Sounds (5/73):
Deutlich werden auf dieser Platte eine Reihe von Einflüssen,
die Aufschluss geben über den heutigen Stand ihrer Musik. Gleich
zweimal tauchen Assoziationen zur Musik von Zappa’s Müttern auf
– einmal bewusst in „Tribute to Frank“ – auch Kevin Ayers
gibt sich die Ehre und sogar ein früher Brian Auger lässt sich an
einigen Stellen heraushören. Überhaupt scheint beim Anhören der
Platte – in Unkenntnis der Besetzung – die Vermutung gar nicht
abwegig, Brian Auger könnte an der Orgel sitzen: Auch ein
Kriterium, wie perfekt die Gruppe klingen kann, die sich live übrigens
wesentlich freier und eigenständiger gibt.
Pop-Szene Deutschland:
ODIN haben sich von Anfang an dem harten Rock verschrieben. Daß
ODIN diesen Rock dennoch erfrischend, extravagant und melodisch
bringt, hört man am besten auf der kürzlich erschienenen ersten LP
mit gleichem Titel.
Musikexpress, April 1973:
Die Plattenproduktionen deutscher Gruppen scheinen immer besser
zu werden. Es gibt deutsche Gruppen, die ihren Kollegen aus England
und Amerika durchaus ebenbürtig sind. Zu diesen zählt ODIN, zwar
mit internationaler Besetzung, aber trotzdem eine deutsche Gruppe.
Auf ihrer ersten Langspielplatte hört man keine „kosmische“
Musik und keine erfolgheischende Unterhaltung. ODIN liegen in der
Mitte; viele Elemente sind verschmolzen zu einem persönlichen Stil,
der aber nie engstirnig oder beschränkt wirkt. Das erste Stück,
„Life is only“, ist ein dynamischer Song. Melodiöse
Gesangsphrasen wechseln mit langen, freien Improvisationen, immer
angetrieben durch das pulsierende Unisono von Bass und Schlagzeug.
Danach folgt eine kurze Ehrbezeigung an Frank Zappa, von dessen
Musik ODIN stark beeinflusst ist: zwei typische Zappa-Phrasen in
neuem Gewand macht Organist Jeff Beer zu einem kurzen, schönen Stück,
sehr ansprechend auch sein Vibraphon im Hintergrund. Der nächste
Song, „Turnpike Lane“ ist nicht minder originell. Der Gesang
steht im Vordergrund; er wird ergänzt durch Rob Terstalls
Gitarrenspiel und wirkt trotz des strengen Arrangements sehr locker
und fröhlich. Die erste Seite schließt mit dem leisen, akustischen
Stück „Be the man you are“ mit Chorgesang und sanftem Ausklang.
Die zweite Seite beginnt mit „Gemini“, einem Stück, an dem sich
schon viele Gruppen und berühmtere als ODIN (z. B. The Animals)
versucht haben. Diese Fassung steht hinter den anderen keinesfalls
zurück. Ray Brown ist zwar nicht Eric Burdon, aber sein Gesang
spricht an und sein Bass hat einen enormen Drive. Als Ruhe vor dem
Sturm folgt eine kleine, leise Jeff Beer Komposition „Eucalyptus“.
In einem Gespräch mit der Gruppe erklärt mir Jeff, dass bei seinen
Stücken die Gefühle im Vordergrund stünden. Dafür ist dieser
Song ein Musterbeispiel. Das letzte Stück heißt „Clown“. Am
Anfang hört man Zirkusmusik, dann wird die Band langsam
eingeblendet. Erst wieder ein Gesangsteil, dann ein packender Dialog
zwischen Gitarre und Orgel, immer wieder durch die eigenartigen
Leslie-Effekte unterbrochen. Bemerkenswert ist auch der Text des
Liedes über das uralte Thema des Zirkusclowns, der unter seiner
lachenden Maske ein trauriges Gesicht verbirgt, hier aber unter dem
neuen Aspekt der Wirklichkeitsflucht durch Alkohol. Insgesamt
gesehen ist diese Platte sehr gut gelungen und hinterlässt einen
guten Eindruck..
Rolling Press News (Pressemitteilung der Phonogram GmbH) zum
Erscheinen des Albums: Die ODIN-LP verbindet präzisen Beat mit
interessanter Harmonik, durchwirkt mit erfassbarer Melodik, ja, klar
bestimmbarer Romantik. Aber: Nicht Romantik der überlieferten, schwülstigen
Art, sondern mit einer Art wohltuender intellektueller Romantik.
Fast möchte man – in Anlehnung einer berühmten Jazz-Formation
vergangener Jahre – von ODIN als dem Modern Rock Quartett
sprechen.
|