Rainbow Band       same     



Nach der Veröffentlichung der Blast Furnace CD (LHC 10) liegt nun die zweite CD in der Long Hair Serie mit Progressivrock aus Dänemark vor: Das gleichnamige hochgelobte Album der Rainbow Band. Bent Hesselmann (Saxofon und Flöte) erzählt die Geschichte der Band:

"Rainbow Band wurde im Frühjahr 1970 von der "Crême de la Crême" der damaligen dänischen Musiker gegründet: Lars Bisgaard (Gesang) und Bent Hesselmann (Blasinstrumente) kamen von The Maxwells, Peer Frost Johansson (Gitarre) spielte zuvor bei The Young Flowers, Carsten Smedegaard (Schlagzeug) trommelte bei The Beefeaters, Niels Brønsted (Piano) und Bo Stief (Bass) hatten ihre musikalischen Erfahrungen in der Jazzszene um den "Montmartre Jazzclub" in Kopenhagen gemacht. 

Mit Proben hielt man sich nicht lange auf und spielte das erste Konzert am 23. Juni 1970 zusammen mit It's A Beautiful Day und Santana. Für die Qualität der Musiker sprach auch, dass die erste LP bereits im Juli und August 1970 eingespielt werden konnte. Veröffentlicht wurde sie im Dezember unter dem Namen Rainbow Band. Im Januar 1971 verließ Sänger Lars Bisgaard die Band und wurde durch Allan Mortensen ersetzt. Die Band ging erneut ins Studio und spielte die Songs diesmal mit Allan Mortensen ein. Die Musik wurde teilweise überarbeitet und einige Stücke zusätzlich aufgenommen. Diese zweite Version des Albums wurde zu-nächst ebenfalls unter dem Namen Rainbow Band veröffentlicht.

"King Of The Sun", "Where Are You Going To Be" und "Living On The Hill" wurden neu aufgenommen. "Where Do You Live" erhielt einen neuen Text von Allan Mortensen und wurde als "Talking" neu aufgenommen. Allan Mortensen schrieb auch den Text zum neuen Titel "Sippin' Wine". "Nobody" und "B. M." wurden neu abgemischt und aus unerklärlichen Gründen voneinander getrennt! Außerdem wurden die Vocals neu aufgenommen.

Im Herbst 1971 wurde die Band gezwungen, ihren Namen zu ändern. Jack Holzman, übermächtiger Chef von Elektra Records, vertrat eine amerikanische Band gleichen Namens und drohte, die Band zu verklagen. Dies war "ein Angebot", welches die Band nicht ablehnen konnte! Da Rainbow Band zwischenzeitlich einen weltweiten Vertrag mit MCA Records unterschrieben hatte, wählte sie einen neuen Namen und entschied sich für Midnight Sun. Das Album mit Sänger Allan Mortensen wurde nun unter diesem Bandnamen ein weiteres Mal veröffentlicht! Im Sommer 1972 nahm die Band dann die Single "Nickles and Dimes" mit der B-Seite "King Of The Sun" (auf dem Rainbow Band Album enthalten) auf. Im Februar 1972 hatte Allan Mortensen die Band verlassen und man begab sich erneut auf die Suche nach einem Sänger. Frank Lauritsen übernahm den Job während der Arbeiten zum Album "Walking Circles" nun unter dem Bandnamen Midnight Sun.

Im Sommer 1972 ersetzte Jens Elbøl den bisherigen Bassisten Bo Stief. In dieser Besetzung spielte die Band dann unverändert die nächsten 2 Jahre und nahm im Dezember 1973 das Album "Midnight Dream" auf. Im Februar 1974 spielte Midnight Sun die beiden letzten Titel ein: eine Single mit "Before You Know" / "Can You Hear The Music Play". Der letzte Auftritt wurde im November 1974 absolviert.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir in Dänemark, Schweden, Norwegen und Holland mehr als 450 Konzerte gegeben. Man kann sagen, dass wir die Band durch das häufige Spielen zerstörten. Am Ende konnten wir uns nicht mehr ertragen. Wir hatten nicht die richtige Mischung gefunden, Studioaufnahmen zu planen, Auftritte zu absolvieren und unser Schaffen zu vermarkten. Davon abgesehen waren wir, um zu Überleben, auf die vielen Auftritte angewiesen. Nur die Konzerte brachten Geld."

Bent Hesselmann arbeitet heute als Musiker und Komponist. 
Bemerkenswert ist, dass Rainbow Band und ihr Album nicht nur von der Musikpresse bejubelt wurden, sondern auch eine Band der Fans war. Deren Verehrung und Treue hatten sie sich während der zahlreichen Auftritte redlich verdient. 

Richard Williams, englischer Fan und Kritiker schrieb 1971 im Melody Maker:

"Dänemark war in der Vergangenheit nicht unbedingt bekannt für exzellente Beiträge zum Rock and Roll. Wie die meisten der westeuropäischen Länder begnügten sich die jungen Musiker mehr oder weniger damit, die englische und amerikanische Musik zu imitieren, hatten aber nicht den Mut und/oder die Erfahrung sie weiter zu entwickeln.

Damit ist es jetzt vorbei. Seit über 18 Monaten wächst in dem geschichtsträchtigen und schönen Land Dänemark, zentriert um einige Bands in Kopenhagen, etwas heran. Eine handvoll junger Musiker, von denen die meisten ihre Grundkenntnisse im New Jazz erworben hatten, interessierten sich für die Rockmusik mit großen neugierigen Augen und dem Gespür, dass sie gewisse Eigenschaften der Rockmusik für sich nutzen sollten: Energie, Elektrizität, mittels Gesang die Möglichkeit der Vermittlung einer Message an das Publikum. 

Burnin' Red Ivanhoe (von denen ich hoffe, dass Ihr sie schon kennt) und die unterschätzten Pan waren die Ersten. Midnight Sun sind die Neuesten. Ebenso wie Burnin' Red Ivanhoe werden Midnight Sun von einem früheren Avantgarde Jazzmusiker geleitet: Niels Brønsted, ein vorzüglicher Pianist, dessen Name ich zuerst auf einer Veröffentlichung des Tenor-Saxofonisten Albert Ayler Mitte der 60er Jahre las. Niels Brønsted und Bassist Bo Stief haben viele Jahre ihr Geld damit verdient, dass sie als Begleitgruppe amerikanischer Musiker im berühmten Kopenhagener Café Montmartre spielten. Damals war das Café Montmartre Europas größte Oase der Jazzmusik. Peer Frost wurde zu Dänemarks bestem Gitarristen in den letzten 3 Jahren gewählt, während Carsten Smedegaard seine Drummerkarriere in Dänemarks erster Pop-Gruppe, The Beathovens, begann. Bent Hesselmann ist ein begnadeter Saxofonist und Flötist, mit einem untrüglichen Gespür für Betonung und Phrasierung. Allan Mortensen ist als Letzter zur Band gekommen. Er ersetzt Lars Bisgaard, der die Band um die Jahreswende 1970/71 verließ. Allan hat für die zweite Version des Albums "Sippin' Wine" komponiert und Brønsted's "Talking" mit neuem Text versehen. 
Beim ersten Anhören des Albums war ich sofort von seinem Ausdruck der Frische und der Weite gefangen. Der Musikstil scheint sich nur oberflächlich von demjenigen ihrer Gesinnungsgenossen in Großbritannien und Amerika zu unterscheiden; die erzeugte Atmosphäre erscheint mir jedoch wesentlich relaxter und offener zu sein. Hört euch beispielsweise das fantastische, zurückgenommene Riff an auf dem "Talking" aufgebaut ist, das Rhythmusspiel auf "Nobody", oder die Schönheit von Bo's Kontrabass auf "B. M.". Das lange "Living On The Hill" beweist die exzellente Musikalität in ihrer ganzen Schönheit. Was Ausdruck und musikalisches Handwerk angeht, würde ich Midnight Sun am ehesten mit der britischen Band Yes vergleichen, wobei der Einfallsreichtum der Dänen noch erfrischender wirkt. Dabei werden sie von kaum einer anderen Band übertroffen und Frost ist einer der besten Rockgitarristen, die ich je gehört habe; auch deshalb, weil sein Spiel die bekannten Schemata verlässt und nach neuen Klängen sucht!

Im Gegensatz zu den Wikingern und den Kelten in früheren Zeiten sollten wir diese Invasion herzlich willkommen heißen und über etwaige Gefahren hinwegsehen."

Herzlichen Dank an Bent Hesselmann für die großartige Unterstützung.

Manfred Steinheuer, Januar 2003





Rainbow Band "same"

WHERE DO YOU LIVE
KING OF THE SUN
NOBODY
B. M.
WHERE ARE YOU GOING TO BE
LIVING ON THE HILL
RAINBOW SONG
Bonustrack TALKING
Bonustrack KING OF THE SUN
Bonustrack NOBODY
Bonustrack WHERE ARE YOU GOING TO BE
Bonustrack B. M.
Bonustrack SIPPIN' WINE
Bonustrack LIVING ON THE HILL

 




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