Rufus Zuphall          Phallobst     




Durch eine Radiosendung wurde das Ohr-Label auf die Band aufmerksam, ein Zwei-Jahres-Vertrag wurde abgeschlossen und eine zweite LP - Phallobst - für 1971 geplant. Helmut Lieblang, der auch weiterhin der Texter der Band blieb, war kurz vor der LP-Produktion aus persönlichen Gründen ausgeschieden und durch Manfred Spangenberg ersetzt worden. Gleichzeitig kam mit Thomas Kittel ein weiterer Gitarrist in die Band. Die erste Version des Titels "Portland Town", der auf der CD "Avalon and On" (LHC 031) erscheinen wird, war ein Demo-Track für die neue Plattenfirma, eingespielt in der erweiterten Besetzung. 

Phallobst erschien dann Ende 1971 nicht wie angekündigt auf Ohr, sondern auf dem neuen BASF-Sublabel Pilz (ein längst vergriffenes Reissue gab es Mitte der achtziger Jahre). Im Juli 1971 war die LP im Dieter Dierks Studio in Stommeln bei Köln in weniger als einer Woche unter wohl eher unwirtschaftlichen Bedingungen eingespielt worden. Man fühlte sich unter Zeitdruck. Das Studio befand sich im Umbau. Günther Krause war irritiert, hinter dem Rücken der Gruppe hatte man ihn beiseite genommen und ihm eine Solo-Karriere als "deutscher Neil Young" nahe gelegt. Zwischen der Produktionsleitung und der Band gab es Differenzen um den Titel "I'm On My Way", der dann in einer von der Band abgelehnten Fassung auf die Platte kam - eine offene Wunde bis heute. Trotz der - auch musikalischen - Distanz zu den Produzenten formulierte Udo Dahmen diplomatisch in einem Interview über die Studioarbeit, man sei "mit dem Resultat weitgehend zufrieden".

Musikalisch war Rufus Zuphall mit dem neu hinzugekommenen zweiten Gitarristen vielseitiger geworden. Im Dierks-Studio war zudem ein Mellotron verfügbar. Andere Tasteninstrumente wurden ebenfalls eingesetzt. Man war hörbar bemüht, um einen vielschichtigeren und breiter instrumentierten Sound. Die spielerischen Elemente aus der Zeit der ersten LP "Weiß der Teufel" (LHC 029) traten in den Hintergrund. In lauten Passagen waren Rufus Zuphall jetzt härter, in leisen eher lyrischer, die Songs im Aufbau trotz aller Tempowechsel deutlich gestrafft. 

Das Pressecho auf die Platte war durchweg positiv und hob auf die musikalische Weiterentwicklung seit "Weiß der Teufel" ab. Im TV wurden Rufus Zuphall ausführlich in der SWF-Sendung "Talentschuppen" vorgestellt, einem eingeführten Karrieresprungbrett für junge Künstler. Doch die Querelen mit der Plattenfirma gingen weiter. Man konnte sich nicht auf eine Singleveröffentlichung einigen, weder das Traditional "900 Miles" noch der Titel "Waste Land" fanden ein zustimmendes Ohr. Der Vorschlag der Plattenfirma, die Titel von Dierks neu arrangieren zu lassen, wurde von der Band nicht angenommen. Das Ohr-Management "ärgerte sich". In Aachen andererseits war man mit der Qualität des Vertriebs nicht zufrieden: es gibt einen denkwürdigen Brief dazu von der BASF (man wundere sich, dass die "Fallobst" nicht in den Läden stehe) und einen ebenso denkwürdigen Antwortbrief der Band: was denn von einem Vertrieb zu erwarten sei, der nicht einmal sein Produkt richtig buchstabieren könne ... 

Trotz der Querelen erzielte Phallobst zufriedenstellende Verkaufszahlen. Bonustracks sind die Titel des zweiten Teils des Farewell!-Live Aachen 1972-Konzertes. Damit ist nun das gesamte Konzert auf CD erhältlich. Die demnächst erscheinende dritte CD "Avalon And On" (LHC 031) komplettiert das Gesamtwerk der frühen Jahre der Gruppe auf CD. 

Manfred Steinheuer, März 2004


Die Edition wird fortgesetzt!

special thanks to Günter Krause, Helmut Lieblang (texts), Antje Hellmanzik, Jörg Scheuermann

Closing Time
Wenn schon, denn schon
Schupfner
Waste Land
Makröjel
Prickel Pit
Portland Town
I'm On My Way

Bonustracks Farewell! Live Aachen 1972 Part II
Bonus Track Paint It Black
Bonus Track Kartoffeltango
Bonus Track Wade In The Water
Bonus Track Sau Aas
Bonus Track Spanferkel
Bonus Track Schupfner
Bonus Track Portland Town
Bonus Track Makröjel




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