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Sich auf die Spuren von The Singing End zu begeben bedeutet tief in
die Beat-Szene einzutauchen, die Köln und Umgebung seit Anfang der
60er Jahre beherrschte. Die Beatle-Mania hatte selbstverständlich
auch die Rheinländer infiziert und elektrisiert. Recht und links
des Rheins gründeten sich zahllose Schülerbands und versuchten
ihren englischen Vorbildern nachzueifern.
Rainer Pietsch, Bass, Gitarre, Klavier, Orgel, Gesang, Sohn eines
Tenors und einer
Musiklehrerin, spielte 1963 bei den Plack-Fizzles. Mitstreiter waren
u.a. Peter Schütten und Hartmut Priess, spätere
Gründungsmitglieder der Bläck Föss und heute noch mit diesen
musikalisch unterwegs. Anfang 1966 wurde er von der konkurrierenden
Band Beat Stones (1964-1966) abgeworben, nahm seinen Kumpel Hartmut
Priess mit und spielte dort mit Erry Stoklasa und Tommy Engel,
ebenfalls spätere Gründungsmitglieder der Bläck Föss. Aufgrund
seines musikalischen Elternhauses verfügte Pietsch schon damals
über erhebliche Notenkenntnisse und war in der Lage, Hits der
internationalen Vorbilder originalgetreu nachzuvollziehen und mit
seinen Mitstreitern einzuproben.
Die daraus resultierende musikalische Qualität wurde allseits
anerkannt, die Beat Stones waren für längere Zeit eine der
führenden Bands in der Kölner Beat-Szene.
Aber nicht nur Köln und Umgebung wurden von der Gruppe bespielt,
bald standen auch eine kleine Deutschland-Tour und Konzerte in
Belgien und Spanien auf dem Programm. Erster Höhepunkt der Beat
Stones-Ära war ein Auftritt im Herbst 1966,
als sie in der Messehalle 8 in Köln neben den Lords im Vorprogramm
der Who spielen durften. Dieses Ereignis konnten sie gar im
folgenden Jahr noch toppen, als sie in der Kölner Sporthalle die
Vorgruppe der Beach Boys waren. Wie zur damaligen Zeit häufig,
wurde so manche Karriere durch die Einberufung eines oder mehrer
Bandmitglieder zur Bundeswehr beendet oder zumindest unterbrochen.
Dies galt auch für die Beat Stones, nachdem Erry Stoklasa und
Bassist Heinz Kunde das Vaterland verteidigen mussten. Nächste
Station war die Band Stowaways, die ab 1968 in der Kölner
Beat-Szene den Ton angab. Mitspieler waren hier neben Hartmut Priess
und Erry Stoklasa, Peter Schütten und Tommy Engel. Die Stowaways
können somit als unmittelbare Vorläuferband der Bläck Föss
betrachtet werden. Die Stowaways machten sich vor allem einen Namen
als Begleitband von Graham Bonney, nicht nur bei Live-Auftritten,
sondern auch bei Plattenaufnahmen. Dies war allerdings nicht mehr
„das Ding“ von Rainer Pietsch, den es zu höheren musikalischen
Werten zog. Konsequent verließ er die Band und wechselte zu That´s
New, kurz bevor diese sich in The End umbenannten.
Günther „Bömmel“ Lückerath, Lead-Gitarre, Gesang, hatte seine
musikalische „Karriere“ im Alter von 16 Jahren bei den Rolling
Beats (1963-1965) gestartet. Trotz seines recht jungen Alters hatte
er bereits erhebliche musikalische Fertigkeiten auf der Gitarre
entwickelt. So konnten sich Thats New glücklich schätzen, ihn als
Gitarristen gewonnen zu haben, wobei Bömmel zusätzlich noch ein
hervorragender Sänger war. Thats New wurden neben ihren
herausragenden musikalischen Fertigkeiten auch deshalb so geliebt,
weil sie über einen hervorragenden Vokal-
sound mit mehrstimmigem Gesang verfügten. Höhepunkt der Auftritte
war die Aufführung des Titels „Lets go to San Francisco“ (Flower
Pot Men), der originalgetreu dargeboten wurde. Herbert Ihle, Gesang,
Mundharmonika und Rhythmusgitarre, hatte seine musikalische „Karriere“
als Schüler gestartet. Seine erste Band hieß I. & Co.
(1966-1967), in der auch Erry Stoklasa spielte. Auch er liebte die
englischen Vokalgruppen und war und ist großer Fan der Beatles,
Hollies und später auch von Crosby, Stills, Nash und Young. Nach
dem Ende von I. & Co. wechselte er als Sänger und
gelegentlicher Gitarrist zu Thats New. Thats New wurden ebenfalls
über die Kölner Region hinaus bekannt und spielten u.a. im
Hamburger Starclub. Die Band hatte mittlerweile auch eigene Songs
geschrieben, sich einen Manager zugelegt und war auf der Suche nach
einem cleveren Produzenten. Dieser fand sich mit Gibson Kemp, einem
Schallplattenproduzenten aus Hamburg. Unter dessen Leitung spielten
Thats New drei Titel ein. Mit seinem Erscheinen wurde allerdings
auch das Ende von Thats New eingeläutet, da die Meinung
vorherrschte, dass die Band einen neuen Namen brauche, schließlich
wollte sie ja Schallplatten auf der ganzen Welt verkaufen. Der
Kölner Stadtanzeiger, liebevoller Begleiter der Kölner Bands,
forderte die Hörer in einem Ideenwettbewerb auf, Namensvorschläge
zu übersenden.
Letztlich einigte sich die Band auf den Namen The End, unter dem
auch die erste Single der Gruppe veröffentlicht wurde.
Alf Gardener (alias Wolfgang Emperhoff), Gesang und Percussion, von
Schulzeiten bis zum Tod von Rainer Pietsch mit diesem
freundschaftlich und beruflich verbunden, hatte seine Karriere als
Sänger nicht in einer Beatband sondern als Schlagersänger und
Discjockey gestartet. Bevor er bei The End einstieg, hatte er
bereits mit Rainer Pietsch zusammengearbeitet, wobei Rainer Pietsch
als Mitkomponist, Texter und auch Arrangeur tätig war. Begleitband
der Schlageraufnahmen waren The End.
The End waren komplett als sich nun Pietsch,Gardener, Ihle und
Lückerath zusammentaten. Die damalige Liveband bestand neben den
genannten Mitgliedern noch aus dem Drummer Manfred Thomas, genannt
„De Nas“ und
Klaus Weber (Orgel). Auf den Schallplattenaufnahmen spielte
allerdings Peter Geis das Schlagzeug, Rolf Lammers, heute bekannt
durch Bläck Föös und LSE, übernahm die Key-boards. Bereits der
zweite Auftritt in ihrem Heimatort Porz – seit 1975 ein Stadtteil
von Köln – war ein voller Erfolg. Der Musikstil hatte sich
zwischenzeitlich weiterentwickelt. Neben der üblichen Beat-Musik
wandelte die Band auch ge-legentlich auf psychedelischen Pfaden,
insbesondere wenn sie Titel von Vanilla Fudge zum besten gab. Die
Kölnische Rundschau beschrieb, Anfang 1970, einen Auftritt der Band
u.a. wie folgt: „Beeindruckend an The End ist vor allem das
Quartett Ihle, Emperhoff, Pietsch und Lückerath mit vier-stimmigem
Gesang. Ihr Repertoire zeigt Vielseitigkeit und heraus ragt vor
allem das Stück „Hair“ aus dem gleichnamigen Musical.
Kommerzieller Pop, Softbeat (Unchain melody) und harter
Shocking-Beat (Vanilla Fudge und Chicago) werden von den 6 Porzern
in gleichbeachtlicher Manier vorgetragen.“
Im Frühjahr 1970 wurde die erste Single „Pennies in the Air“
mit der B-Seite „Someday, Somewhere, Somehow“ im Rhenus-Studio,
Köln eingespielt. Bereits zuvor und auch nach diesen Aufnahmen
hatte die Gruppe als Studio-band die Schlagerstars Adamo, Peter
Rubin und Thomas Fritsch bei Plattenaufnahmen begleitet. Von dieser
Arbeit konnte sie profitieren, insbesondere was die Ausschöpfung
der technischen Studiobe-dingungen anging, als sie Ende August 1970
mit der Einspielung der LP begannen. Rainer Pietsch hatte alle 9
Titel komponiert und getextet.
Die Aufnahmen sollten sich stilistisch zwischen Led Zeppelin und den
Bee Gees bewegen. Ende 1970 kam die LP auf dem Label Resono auf den
Markt. Eine weitere Auflage der LP für den skandinavischen Markt
wurde auf dem Anette-Label veröffentlicht. Der Einfluss des
Produzenten und Geldgebers hatte aus dem Bandnamen The End nun The
Singing End werden lassen! Die Musiker fanden dies nicht so
berauschend; andererseits standen die Schallplattenproduzenten nicht
an jeder Ecke...
Für die Band wäre es sicherlich vorteilhafter gewesen, wenn die LP
bei der in Köln ansässigen weltweit orientierten Plattenfirma EMI/Electrola
erschienen wäre. So scheiterte eine erfolgreiche Vermarktung der LP
an fehlenden Mitteln, umfangreich Promotion zu betreiben. Trotz der
zweifellos vorhandenen musikalischen Qualität waren die
LP-Verkäufe äußerst mäßig. Aus heutiger Sicht gesehen könnte
man der Meinung zuneigen, dass sie vielleicht nicht mehr ganz auf
der Höhe der Zeit war und vielleicht ein bis zwei Jahre eher hätte
erscheinen sollen. Zur damaligen Zeit war die Band jedoch froh
darüber, überhaupt eine Schallplatte aufnehmen zu dürfen. Nach
zwei Veröffentlichungen existierte die Plattenfirma dann plötzlich
nicht mehr, und die Band musste sich Gedanken machen, wie es
weitergeht. Sie hatte sich in der Zwischenzeit durch ihren
herausragenden Vokalsound allseits Anerkennung in der Kölner
Studioszene erworben und wirkte als Studiochor bei vielen bekannten
Künstlern mit. In der Folgezeit wurde auch endlich die EMI auf die
Band aufmerksam und verpflichtet sie unter dem neuen Bandnamen
Tanned Leather für einige Plattenproduktionen. Tanned Leather
spielten einige Singles und zwei LPs (1972 und 1976) auf dem
Harvest-Label (!) der EMI ein. Von der ursprünglichen The
End-Besetzung waren Rainer Pietsch, Herbert Ihle und Alf Gardener
alias Wolfgang Emperhoff dabei. Rainer Pietsch zog es nach München
in die dortige Studioszene, wo er in vielen bedeutsamen
internationalen Produktionen, u.a. ELO und Queen, als Arrangeur
mitwirkte. Zudem war er bei der Ralph Siegel Produktionsgesellschaft
unter Vertrag.
Bandleader Rainer Pietsch, dem von vielen Seiten musikalische
Genialität zugeschrieben wurde, war letztlich über den ihm
versagten großen musikalischen Erfolg enttäuscht, insbesondere
darüber, dass er seine eigenen musikalischen Vorstellungen nicht
erfolgreich vermarkten konnte. Neben seinen musikalischen
Fertigkeiten war er auch ein begnadeter Billardspieler. 1998 starb
er an einem Herzinfarkt. Ihm ist die CD gewidmet. Herbert Ihle ist
nach wie vor als Studio- und Tourneesänger aktiv. Bömmel
Lückerath ist als Sänger und Gitarrist mit den Bläck Fööss
unterwegs. Alf Gardener alias Wolfgang Emperhoff lebt und arbeitet
(für die Ralph Siegel Produktionsgesellschaft) in München.
Manfred Steinheuer August 2005
Besonderen Dank an Herbert Ihle und Wolfgang Emperhoff für die wertvolle Unterstützung bei der Recherche für dieses Booklet, Walter Schulz für die Erlaubnis der Verwendung seiner Fotos, Wolfgang Reuther (World in Sound), der uns auf The Singing End aufmerksam machte und allen, die direkt oder indirekt an der Veröffentlichung dieser CD beteiligt waren.
Listen To The Music
I’m On My Way
Carpets
I Still Donít Know
Empty Streets
Green Grass
Lies
Twilight
Lost Daddyís Craddle Song
Bonus Track Pennies In The Air
Bonus Track
Someday, Somewhere, Somehow
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