Als sich im Herbst 1970 Jim Cregan, Richard Mc Cracken und John Wilson zu Stud formierten, hätten die britischen Musikgazetten eigentlich lautstark die Gründung einer sog. Supergroup feiern müssen, handelte es sich doch bei Bassist Mc Cracken und Schlagzeuger Wilson um die Rhythmusgruppe von Rory Gallagher’s Taste, einer Band der 1. Liga und bei Jim Cregan um einen der beiden Gitarristen von Blossom Toes, einer Band, der allgemein hohes musikalisches Potenzial attestiert wurde. Doch schon der Start der Band verlief - verhältnismäßig - ohne große Beachtung der englischen Musikzeitschriften und auch das erste Album der Band, erschienen im April 1971, konnte lediglich einen Achtungserfolg verbuchen, trotz durchweg positiver Kritiken. So kam die Band in Großbritannien nicht über den Status eines Geheimtipps hinaus. Anders in Deutschland: Dort war Stud ein äußerst beliebter Liveakt, spielte auf vielen großen Festivals und tourte fleißig durch die deutschen Clubs, was die Verkäufe des ersten Albums antrieb und der Band ein angemessenes Auskommen bescherte. Stud und insbesondere Manager- und Produzent Eddie Kennedy gaben der heimischen Plattenfirma Decca die Schuld, dass es im Vereinigten Königreich nicht so recht lief und verlangten ein besseres Marketing. Dies führte zum Zerwürfnis mit Decca mit der Folge, dass Stud ohne Plattenfirma dastand.
Die Band sah Ihre Chance in Deutschland, wo sie durch die häufigen Auftritte eine große Anhängerschar hatte und erfolgreich war. BASF, ursprünglich eher als Label für Klassik und Jazz und insbesondere als Hersteller von Tonbändern und Kassettentapes bekannt, hatte 1970 ein gleichnamiges Rocklabel (und das Sublabel Pilz) etabliert und nahm Stud unter Vertrag. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums war John Weider (Gitarre, Geige, Piano, Vocals) als festes Mitglied bei Stud eingestiegen. Auf dem ersten Album hatte er bereits als Gastmusiker mitgewirkt. Mit Weider wurden die Alben „September“, erschienen Anfang 1972 und „Goodbye, Live At Command“ aufgenommen. Als „Goodbye...“ im Sommer 1973 veröffentlicht wurde – die Aufnahmen fanden im Rahmen einer Session live in den Londoner Command Studios im Mai 1972 statt – gab es Stud schon nicht mehr. Cracken hatte die Band als erster verlassen und war zur neu formierten Spencer Davis Group gewechselt, John Weider hatte mit Keith West Moonrider gegründet und Jim Cregan war bei Family eingestiegen und spielte auf deren letzten Album „It´s only a movie“. Als John Wilsons Versuch Stud mit dem früheren East of Eden-Bassisten Andrew Sneddon und dem Gitarristen Snowie White weiterzuführen scheiterte, war die Band endgültig am Ende.
Auch wenn Stud vielleicht nur eine Fußnote in der Geschichte der britischen Rockmusik darstellt und nicht die Bedeutung der Bands hat, in denen ihre Mitglieder zuvor spielten, erfreut sich die Gruppe nach wie vor großer Beliebtheit bei den einschlägigen Musikfreunden. Die vorliegenden Aufnahmen aus dem SWF-Studio U1 geben einen Querschnitt aller drei Studioalben wieder und stellen die musikalische Bandbreite der Band sowie die herausragenden handwerklichen Fähigkeiten der einzelnen Musiker eindrucksvoll unter Beweis.
Manfred Steinheuer, August 2009
STUD
- The SWF-Session 1972
01. GOOD THINGS Weider 06:57
02. SAMURAI (Piano-Version) Cregan 02:40
03. HORIZON Cregan/Wilson/Mc Cracken 13:45
04. MAKE ME HIGH Cregan 06:36
05. OCEAN BOOGIE Cregan 03:35
06. SAMURAI (Guitar-Version) Cregan 02:59
|