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DIE THIRSTY-MOON-STORY
Teil 2
Einige Titel aus dem ersten Thirsty-Moon-Album, z. B. „Big City“
liefen nicht selten im Radio, es gab Interviews und sogar ein
Veranstalter aus den USA (Skylab) zeigte Interesse an der Band.
Trotzdem gab es Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, einige wollten
sich mit der bisherigen Musik nicht mehr identifizieren und nur noch
improvisieren und am liebsten eine eigene Band gründen.
Wir bekamen das Angebot, während einer Rundfunksendung live im
Sendesaal von Radio Bremen zu spielen und nahmen es auch an,
allerdings war Hucky Ranwig schon nicht mehr dabei. Es war Anfang
1973 und ich kann mich nur noch teilweise an die bunte Mischung der
Interpreten in dieser Sendung erinnern. Bei den Proben wurde die
jugendliche Marianne Rosenberg von ihrer Mutter betreut, während
Udo Lindenberg, noch ganz am Anfang seiner Karriere, die Sektflasche
kreisen ließ. Wir haben „Big City“ gespielt, und neben der
Gitarre bediente ich, obwohl als Keyboarder recht ungeübt, auch das
Hohner Clavinet.
„You’ll never come back“ (1973) sollte unser zweites und nach
dem Willen einiger Mitspieler letztes Album werden. Sänger und
zweiter Gitarrist war nun Siegfried „Pisi“ Pisalla. Während der
Aufnahmen im Studio Maschen konzentrierte sich jeder auf die Musik
und es entstand ein gutes, engagiertes Zusammenspiel. Jochen
Petersen produzierte auch diese LP; die Zusammenarbeit mit ihm war
immer freundschaftlich und entspannt.
Im Studio traf man dann auch ab und zu andere Musiker. Mir ist Achim
Reichel in Erinnerung geblieben, der nach seiner Zeit mit den „Rattles“
und „Wonderland“ auf einem völlig anderen Kurs war und unter
dem Namen „Achim Reichel & machines“ Instrumentalmusik
kreierte.
Norbert Drogies:
„Wie so oft, spielten wir auch in dieser Besetzung einmal im
Bremer Szene-Lokal Lila Eule. Nach unserem Auftritt kam Noel
Redding, ehemals Bassgitarrist der Jimi Hendrix Experience, zur Bühne
und bat darum, unsere Anlage und Instrumente benutzen zu dürfen. Er
war mit seiner Band „Fat Matress“ zu Aufnahmen für den
Beat-Club in Bremen. Sie spielten dann eine zeitlang bis Noel
Redding, offenbar alkoholisiert, mit dem Bass in der Hand
umkippte.“
Mit der Besetzung der zweiten LP hatten wir dann auch unseren
einzigen Fernsehauftritt, im Juni 1973 in der ARD-Sendung
„Diskus“. Wir spielten live, Bassist Harald verschwand
blitzschnell nach dem Auftritt, denn seine Wehrdienstverweigerung
war leider nicht anerkannt worden und er musste befürchten, von den
Feldjägern „kassiert“ zu werden. In den folgenden Jahren sollte
es ihm dann nach einer langen Odyssee über Berlin, Frankreich und
andere Länder und Orte doch noch gelingen, der Bundeswehr endgültig
zu entkommen. Er spielte in dieser Zeit unter anderem bei
„Parzival“, „Association PC“, „Sperrmüll“ und „La Düsseldorf“.
Der Split der Gruppe war nicht aufzuhalten, mein Bruder Norbert und
ich behielten das Wochenendhaus in Klein Hollwedel als Übungsraum
und komponierten neue Titel. Norbert ging damals noch zur Schule und
jobbte in den Ferien als Fahrer bei einer Arzneimittel-Lieferfirma.
Mit dem Geld kaufte er sich einen Fender Precision Bass und
engagierte sich für das Bass-Spiel genauso wie zuvor für das
Schlagzeug. (Jürgen Drogies, August 2006)
Der beim Review der ersten Thirsty Moon – LP noch etwas verwirrt
erscheinende Rezensent der Sounds konnte sich der Faszination von
„You’ll never come back“ nicht entziehen und schrieb folgendes
(Sounds 12/73): Thirsty Moon’s zweites Album lässt die Mängel
ihrer ersten Platte schnell vergessen. Jetzt swingt’s. Gitarre,
E-Piano und Saxophon erzeugen ein dichtes Klangbild, dass von vielen
Perkussionsinstrumenten mit Energie und Rhythmus aufgeladen
wird.
Anlass zur Kritik gab es für den Text von „Thrash Man“, wobei
der Rezensent offensichtlich nicht die Ironie zwischen Text und
Titel des Stückes erkannte. Letztlich versöhnte ihn aber die
Musik, da er sich weiter erklärte: Glücklicherweise wird der
„Dichter“ recht sparsam eingesetzt und so kann man über lange
Strecken den Jazz-Rock der Gruppe ungestört genießen.
Skylab, der amerikanische Veranstalter, widmete in einem Promoheft
von 1974 mehrere Seiten der Band und beschrieb die Musik folgendermaßen:
Thirsty Moon nutzt Elemente des Jazz als spontanes Ausdrucksmittel
und vermischt diese mit der Aggressivität und dem Rhythmus der
Rockmusik. Die Band spielt nur eigene Kompositionen, verbindet
stimmliche Ausdrucksformen mit Instrumentalteilen und nutzt alle
verfügbaren elektronischen Möglichkeiten. Obwohl höchst
varianten- und abwechslungsreich, hat die Musik
Wiedererkennungswert. Alle Bandmitglieder beherrschen ihre
Instrumente perfekt. Jeder ist ein Individualist und leistet seinen
persönlichen Beitrag zum Gruppenerlebnis. Basis der Musik ist das
exakte Zusammenspiel von Bass, Schlagzeug und den afrikanischen Klängen
der 4 Congas, die harten Beat mit latein-amerikanischen Rhythmen
verbinden. Elektropiano und Gitarre bilden ein weiteres wichtiges
Soundelement. Der Saxophonist ist ein erfahrender Jazz-Musiker, der
mit seinem herrlich ungezwungenen Spiel zum Gruppensound beiträgt.
Im Gegensatz zu anderen deutschen Bands sind die Texte ein
wesentlicher Bestandteil des Sounds. Sie reflektieren die Eindrücke
des Umfelds, dem die Musiker ausgesetzt sind. Thirsty Moon ist nicht
eine typisch deutsche Band und möchte dies auch nicht sein. Die
Texte sind in englisch. Die musikalischen Einflüsse stammen aus den
verschiedensten musikalischen Kulturen. Thirsty Moon folgt nicht
einem gewissen Trend und möchte nicht kommerziell sein. Thirsty
Moon ver- fügt über eine beachtliche Vielseitigkeit und ist nicht
auf überstrapazierte und allseits bekannte Riffs und Musikformen
angewiesen. Ihre Vielseitigkeit liegt in der Verwendung von
Musikstrukturen, die bisher nicht verwandt wurden! „Yellow
Sunshine“ enthält Teile, die so extrem ausgestattet sind, dass
der Zuhörer nicht sagen kann, welches Instrument spielt. „Trash
Man“ enthält Bläser-Anteile, die an The Grand Wazoo in ihrer
Perfektion und Fülle erinnern, aber die Blasins-trumente überlagern
einen Santana-ähn-lichen Rhythmus anstelle der „old-timey“-
Jazz-Töne bei der Aufnahme von Frank Zappa.
Thirsty Moon hat sich nicht bei bekannten Klängen erfolgreicher
Bands bedient. Keine Band klingt wie Thirsty Moon. Keine andere Band
hat das schwer zu begreifende, dem Acid-Rock innewohnende Phänomen
so verinnerlicht und ins Jazz-Rock-Format übertragen. Andere
Jazz-Rock-Gruppen kommen dem nahe: The Mahavishnu Orchestra mit
seinen „Hochgeschwindigkeitsstücke“, Santana in der Mitte einer
arabischen Karawane, und Herbie Hancock, der sämtliche schrägen Klänge
des Universums in einer sorgfältig konstruierten Rhythmuslinie
zusammenbringt. Bei Thirsty Moon kommt dies alles zusammen. „Yellow
Sunshine“ klingt nicht wie „Trash Man“, welches keine Ähnlichkeit
mit „You’ll Never Come Back“ hat – und alle 3 Titel sind
umfassende Meisterstücke.
Thirsty Moon’s Sound ist ein Spiegelball der Bilder, die den Zuhörer
umgeben. Eine sich allmählich füllende gelb-orange Erdkugel geht
auf mit den Anfangsklängen von „Morning Sun“. Die weibliche
Gesangsstimme in „Trash Man“ führt Dich zu einem exotischen
Nachtclub mit latein-amerikanischem Flair. „Love Me“ windet sich
wie ein Gummiband und schwingt hinunter in die „Rooms Behind Your
Mind“. Dromedare und Wüstensand. Palmen und Kokosnüsse. Yellow
Sunshine.
Für weitere Infos werden folgende Websites empfohlen:
www.thirstymoon.de
www.backtothemoon.de
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